In letzter Zeit hören wir mehr und mehr von traumatisierten Soldaten. Es sind zum Teil solche, die über zwei Jahre heldenhaft gekämpft haben. Während sie in Gaza, Libanon und Syrien ihr Land verteidigten, verdrängten sie bewusst oder unbewusst all ihre Gefühle. Nach ihrer Entlassung durften sie zu ihren Familien zurückkehren, doch nun merkten sie erst richtig, was mit ihnen geschehen war.
Wir lernten einen wertvollen, frommen Mann namens Boas kennen, der es als seinen Auftrag sieht, solchen Soldaten zu helfen. Boas war Scharfschütze und wurde vor ca. 25 Jahren nach einem militärischen Einsatz im Libanon schwer verletzt. Er und seine Kameraden hatten gerade ihre Mission beendet, als die Feinde nach ihnen schossen. So rannten sie bei Dunkelheit einen Hügel hinunter, der in Terrassen angelegt war. Beim Springen kam Boas ungünstig auf den Boden, sein Knie wurde dabei übel verrenkt. Mit der Hilfe seiner Freunde humpelte er weiter. Doch er musste neunmal operiert werden, war lange Zeit im Rollstuhl und jahrelang in der Reha. Er heiratete und gründete eine Familie mit fünf Kindern.
Nach dem 7. Oktober verspürte er einen starken Drang, seinen Brüdern beizustehen, meldete sich bei den Scharfschützen und trainierte fleissig mit. Doch kurz bevor sie nach Gaza einmarschieren sollten, verrenkte er sein Knie wieder und musste ein zehntes Mal operiert werden. Es war schwer für Boas, als der Arzt ihm entschieden mitteilte, er könne nicht mehr mitkämpfen.
Nun suchte er nach seiner Bestimmung, sich in dieser schweren Zeit nützlich zu machen. Bald merkte er, wie viele Soldaten gerade am 7. Oktober Schreckliches hatten durchmachen müssen und dringend Hilfe brauchten. Er verstand, dass Gott ihm die Aufgabe erteilte, sich um die Seelen dieser Männer zu kümmern.
Und da war noch etwas, was nur Gott in seiner Liebe fügen konnte. Viele dieser Soldaten wollen ihr Trauma nicht wahrhaben. Es gehe ihnen gut, sagen sie, wenn sie nach ihrem Befinden gefragt werden. Sie schämen sich, fühlen sich als Schwächlinge oder Versager und leiden dabei oft noch unter Schuldgefühlen. Daher sind sie nicht gewillt, zu psychologischen Gesprächen in ein kleines Zimmer zu sitzen.
Der Inhaber der wunderschönen Weinkellerei in Psagot, der Boas gut kennt, hatte von diesem Problem gehört und bot Boas an, die Gespräche in seinem freien, friedlichen Gelände zu führen. Selbst die Tasse Kaffee spendet er ihnen. Nun kann Boas fast täglich mit den Soldaten in diesem Rebengelände sitzen, mit Blick auf die sanften Berge Judäas. Hier öffnete sich schon manch ein Herz und erfuhr Heilung. Es gibt Männer, die nehmen die Strecke vom Norden her in Kauf, weil ihnen diese seelsorgerlichen Gespräche so guttun.
Boas kam auch in Kontakt mit Kämpfern vom 7. Oktober, die als 60-90 % traumatisiert eingestuft wurden. Bald war ihm klar, dass diese eine andere Behandlung benötigten. Mit kleinen Gruppen, die in der gleichen Einheit gekämpft, das gleiche Furchtbare erlebt und die gleichen Kameraden verloren hatten, fährt Boas ins Ausland. Manchmal werden sie von Juden oder Israelfreunden im Ausland eingeladen.
Bei solchen Reisen beginnt Boas seine Seelsorge stets mit Positivem. An zwei Tagen erzählt er von Gottes Segnungen, seiner Familie, seiner Tätigkeit als Korbballtrainer usw. Erst danach von seinen Verletzungen und warum er am Stock geht. Das macht auf die jungen Kämpfer grossen Eindruck. Plötzlich merken sie, dass auch sie noch viel Gutes in ihrem Leben haben, wofür sie dankbar sein können. Danach beginnt Boas mit der Aufarbeitung. Unter Tränen erzählte er uns von tragischen Erlebnissen seiner Schützlinge, die er fast nicht anhören konnte.
Auf solche Seelsorgereisen nimmt Boas stets seine Frau mit. Bei den Gesprächen ist sie nicht dabei, aber abends im Hotelzimmer braucht er selber jemanden, dem er sich anvertrauen kann.
Wir haben wunderbare Zeugnisse gehört von Männern, die eine solche Reise mitmachen durften. Es sei für sie zwar noch ein langer Weg, doch der Heilungsprozess habe eingesetzt. Erstmals hätten sie wieder weinen und sich im Kreis ihrer engsten Freunde aussprechen können, da diese ja das Gleiche erlebt und volles Verständnis füreinander hätten.
Boas bekommt viele Anfragen, auch von Familienvätern, die während der letzten zwei Jahre hunderte Tage im Kampf waren und nun im Alltag nur schwer wieder zurechtkommen. Da sind Frauen vom angstvollen Warten nervlich am Ende, Kinder ebenfalls, Arbeitsstellen inzwischen vergeben usw.
Bitte betet, dass der Herr die nötigen Mittel für diese Seelsorgereisen gibt. Auch wir durften schon mehrmals diese segensreiche und wichtige Aufgabe von Boas unterstützen.
Eine von vielen Bewahrungen in Gaza
Ein junger Mann namens Matan ist schon viele Monate in Gaza im Einsatz. Zwei seiner besten Freunde wurden kurz hintereinander vor seinen Augen von einer Sprengladung getötet. Er selber wurde sechsmal wie durch ein Wunder vor dem Tode errettet.
Einmal bekam er die Meldung, an seinem Panzer stünde eine Klappe offen. Es war dunkel, da sie aus Sicherheitsgründen bei Nacht im Einsatz sind. Daher trägt jeder von ihnen ein kleines Licht um den Hals, um sich gegenseitig zu erkennen. Schnell stieg er aus und eilte nach hinten, um besagte Klappe zu schliessen. Unterwegs blieb sein Lämpchen am Fahrzeug hängen, doch er eilte weiter und wollte es auf dem Rückweg mitnehmen. Genau in dem Moment gab es einen fürchterlichen Schlag. An der Stelle, wo das Licht hängen geblieben war, hatte eine Granate das Fahrzeug getroffen. Sie hätte ihm gelten sollen … Erneut war er wunderbar verschont geblieben.
Als seine Mutter davon hörte, weinte sie vor Dankbarkeit und meinte: «Mein Mann und zwei meiner Söhne sind nun schon sehr lange in Gaza. Ich stehe voll dahinter und weiss, dass das momentan das Richtige ist, um unser Land zu verteidigen. Gott wacht über ihnen Tag und Nacht und hat alles unter Kontrolle.»
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