Gründer und Präsident
KURT WENGER


 
Spezial-Rundbrief Nr. 120 November 2015

Die Notlage der irakisch-christlichen Flüchtlinge


Die Ernte ist reif, aber der Arbeiter sind wenige (Matthäus 9,37-38).


Die herzzerbrechende Notlage der verzweifelten Flüchtlinge, die über Land oder per Schiff nach Europa fliehen, ist eine humanitäre Krise mit epidemischen Ausmass. Die Notlage der irakisch-christlichen Flüchtlinge aus Mosul ist am schlimmsten.

Pamela und ich reisten kürzlich für ein paar Tage nach Amman, Jordanien. Dort hörten, sahen und erlebten wir ihre Situation vor Ort.

(Foto: Shmuel und Pamela Suran mit — in der Mitte – Pater Jair von der St. Mary Kirche in Amman).

Folgendes wurde uns erzählt:
Im Juni 2014 eroberte der islamische Staat (ISIS) die Stadt Mosul im Irak und begann mit einer Welle von Gräueltaten gegen die assyrischen, chaldäischen und anderen dort ansässigen Christen. Es war ein Feldzug der Zerstörung gegen die Christen, welche in jenem Gebiet schon seit Jahrtausenden lebten. Der islamische Staat zerstörte ihre Kirchen und Klöster, enthauptete und kreuzigte Christen. Sie kündigten einen Feldzug der totalen Ausrottung an gegen die christliche Gemeinschaft durch Verfolgung und Völkermord. ISIS malte den arabischen Buchstaben N an die Häuser der Christen in Mosul, welcher für das Wort „Nazarener“ stand. Das sollte die Häuser markieren, deren Bewohner zur Abschlachtung ausgewählt wurden, falls sie nicht zum Islam konvertierten oder flohen.

Der islamische Staat stellte ein Ultimatum, dass alle Christen der Stadt konvertieren müssten oder innerhalb 24 Stunden hingerichtet würden. Tausende flohen, anstatt zum Islam zu konvertieren und damit Jesus, ihren Herrn, zu verleugnen. Die fliehenden Christen verloren ihre Häuser, ihre Geschäfte, ihren Besitz. Sie verloren praktisch alles, was ihnen einst gehörte. Über Nacht flohen sie aus Mosul und den umliegenden Dörfern im Vertrauen auf Gott und auf die Hilfe anderer Glaubensgeschwister unterwegs. Viele fanden in den Kirchen von Kurdistan Zuflucht, vor allem in Erbil. Die Christen, die zurück blieben, wurden gefangen genommen, gequält und durch die ISIS grauenvoll umgebracht.

Doch der Aufenthalt in Erbil dauerte nicht lange. Schon bald half Jordaniens König Abdallah mit humanitärer Hilfe und liess die christlichen Flüchtlinge per Flugzeug nach Amman in die jordanische Hauptstadt bringen. Dort sollten sie sicher sein, bis sie in ein anderes Land weiterziehen könnten. Sie mussten jedoch bald entdecken, dass für sie als Christen Jordaniens Flüchtlingslager keine Möglichkeit boten. Der Grund war die tägliche Gefahr von feindseligen Moslems, die auch in Syriens Flüchtlingslagern wohnten. ISIS hatte diese Lager infiltriert, um Mitarbeiter für ihre Terror-Organisation zu rekrutieren. Die einzige Möglichkeit einer Unterkunft für irakische Christen war die Zuflucht in den Kirchen Ammans, so wie sie es in den Kirchen Erbils erlebt hatten. Sie wollten in den Kirchen bleiben, bis sich eine Möglichkeit der Weiterreise in ein sicheres Land finden würde.


Familien-Patenschaften


In Amman arbeiteten wir zusammen mit jordanischen Christen (Global Hope Network International), welche die Verantwortung übernommen haben, diesen Flüchtlingen zu helfen. Sie kümmern sich darum, dass sie registriert werden und den Flüchtlingsstatus bekommen. In Jordanien dürfen sie aber nicht arbeiten, und daher befinden sich diese irakischen Christen in einer prekären Situation. Die UNO hat es abgelehnt, diese christlichen Flüchtlinge zu unterstützen oder ihnen das monatliche Taschengeld auszubezahlen, das ihnen laut Gesetz zustehen würde. Dadurch fällt die ganze Last der Verantwortung auf die wenigen Mitarbeiter in den lokalen Kirchen und auf anteilnehmende Christen aus dem Ausland.

Nun gibt es ein Projekt, welches 2000 Familien helfen wird. Es nennt sich „Familien-Patenschaft“. Des Herrn Segen liegt darauf! Dieses Programm macht die Notlage der irakischen Christen bekannt und ist zudem ein Aufruf an christliche humanitäre Hilfe. Dadurch können die monatlichen Mieten, die Lebensmittel, Kleider und Arzneien dieser ca. 12‘000 Christen bezahlt werden. Jede irakische Familie, die sich für dieses Programm angemeldet hat, besitzt bereits den Flüchtlingsstatus. Wir können für diese Familien beten, sie kennenlernen und uns für ihre aktuellen und zukünftigen Bedürfnisse einsetzen.

Eine Patenschaft übernehmen — Wie sieht das praktisch aus?
  • Sponsoren beten täglich für „ihre“ Familie
  • Spende von CHF 200.- pro Familie per Monat für 12 Monate
  • CHF 2‘400.- für ein Jahr, das vielen helfen wird, ein neues Leben zu beginnen

Irakisches Schul-Projekt „Marka“
Es gibt auch die Möglichkeit, den Familien mit Schulgeldern zu helfen. Im Herbst 2014 wurde eine spezielle Schule für irakisch-christliche Kinder eröffnet und zwar in der St. Mary Kirche im Marka-Quartier in Jordanien (Foto). Zurzeit befinden sich dort 350 registrierte Schüler. Dort lernen sie Mathematik, Wissenschaft und die englische Sprache. Sie haben zudem Singstunden, Tanzlektionen und Turnaktivitäten. Dies alles soll den Kindern über den „PTS“ („Post traumatischen Stress) hinweghelfen – Erlebnisse, die sie auf der Flucht vor der ISIS machten. Diese Schule braucht Spenden, um die irakischen Lehrer, die Schulautobusse und den nachmittäglichen Schülerimbiss bezahlen zu können. Zudem gibt es eine Anmeldegebühr, welche die Kosten für die Bücher und Schuluniform deckt. Der geregelte Schulablauf und die Uniformen vermitteln den Kindern Halt und Sicherheit. Teams von freiwilligen Helfern kommen zur Schule und engagieren sich mit Aktivitäten bei den Kindern. Die Marka-Schule in der St.Mary Schule ist für alle christlichen Denominationen offen.

Bitte betet doch darüber, wie ihr euch um die Bedürfnisse dieser Ärmsten in Jordanien kümmern und ihnen helfen könnt. Diese Christen haben alles verloren. Unsere Unterstützung hilft ihnen hoffentlich in der Vorbereitung, von einem anderen Land aufgenommen zu werden.

Projekt der Marka-Schule
  • CHF 200.- für Wintermantel, Bücher, Schul-Ausrüstung (pro Kind)
  • CHF 100.- Heizofen für den kalten Winter (es braucht mehrere)
  • CHF 200.- Gehalt für Lehrer (monatlich pro Lehrer)

Möge Gott euch für eure treuen Gebete und eure grosszügigen Gaben überfliessend segnen!

Pastor Shmuel und Pamela Suran

Anmerkung von Kurt Wenger: Das Ehepaar Suran besuchte diese iraktischen Flüchtlinge in Jordanien im Auftrag von Rea Israel. Jetzt, im November, konnten wir ihnen Fr. 22‘000.- mitgeben, und sie kamen mit obenstehendem erschütterndem Bericht zurück.

Daneben gibt es die syrischen christlichen Flüchtlinge, die ebenfalls in Jordanien Unterschlupf fanden. Für diese haben bereits 20 Spender eine Familienpatenschaft übernommen. Pastor Najeeb und Elisabeth Atteih, zusammen mit einem Ehepaar aus Jordanien, betreuen diese Menschen.





Ich will segnen, die dich segnen, und in dir sollen gesegnet sein alle Geschlechter auf Erden
(1. Mose 12,3)