Gründer und Präsident
KURT WENGER


 

Mangel an Ernährungs-Sicherheit in Israel

Jerusalem

JERUSALEM (inn) — Ein Zehntel der Israelis verzichtete im Jahr 2011 aufgrund ihrer Armut auf Mahlzeiten. Das zeigt ein am Montag veröffentlichter Bericht des staatlichen Rechnungsprüfers Joseph Schapira zur Bekämpfung von Nahrungsengpässen.
Dem Bericht zufolge liessen 894‘000 Menschen, darunter 360‘000 Kinder, im Jahr 2011 aufgrund familiärer Armut Mahlzeiten aus. In Israel leben insgesamt etwa acht Millionen Menschen. „Armut ist kein Schicksal“, sagte Schapira. „Wir können es nicht zulassen, dass nur Menschen mit vollen Mägen Rechte haben. Jeder muss einen vollen Magen haben. Das ist ein Menschenrecht.“
Schapira bemängelte die Arbeit der im Januar 2013 eingerichteten Arbeitsgruppe zur Verbesserung der Nahrungsversorgung. Sie habe ein zu geringes Budget, um grössere Veränderungen herbeizuführen, erläuterte er laut der israelischen Online-Zeitung „Times of Israel“. Die Regierung verlasse sich zu sehr auf Nichtregierungs-Organisationen, um dem Problem Herr zu werden. Diese arbeiteten jedoch ineffizient. Hinzu komme, dass die Regierung den arabisch-israelischen Sektor ignoriere, wo das Problem am drängendsten sei. Um diesen Sektor kümmere sich nicht einmal eine Nichtregierungs-Organisation.
Der Minister für Wohlfahrt und Sozialdienste, Meir Cohen, beklagte die rechtlichen Hürden bei der Bewältigung des Problems. Daher seien die umgerechnet 48 Millionen Euro, die dafür zur Verfügung ständen, noch nicht in ein wirksames Programm angelegt. „Das ist eine nicht hinnehmbare Wirklichkeit und ich beabsichtige, der schwerfälligen Verwaltung ein Ende zu setzen, die Zehntausende Bürger gefährdet.“
Aus www.israel.com

 

Sozialhilfe vor Pessach

Nicht nur das israelische Wohlfahrtsministerium und der Staatskontrolleur, sondern nicht zuletzt auch die meist auf freiwilliger Basis arbeitenden Wohltätigkeit-sorganisationen warnen vor einer Eskalation der Verhältnisse. So berichtete die vor Pessach Nahrungsmittelpakete verteilende Organisation Jedid, dass sich dieses Jahr die Zahl der Hilfeersuchen aus der Bevölkerung in den letzten drei Monaten auf 6500 gestellt haben, um 15 Prozent mehr als vor einem Jahr zur gleichen Zeit. Besonders bedenklich mutet dabei die Tatsache an, dass die Zahl der Hilfeersuchen aus dem Kreis des Mittelstands gleich um 47 Prozent zugenommen hat. Unter Mittelstand versteht man in Israel Familien, deren Vorstände ein geregeltes Einkommen haben, das im Gegensatz zu früher heute offensichtlich aber nicht mehr für die laufenden Haushaltskosten genügt. Weil die Lohnerhöhungen in vielen Wirtschaftszweigen des Landes der Teuerung hinterherhinken, sehen Bürger des Mittelstandes sich zusehends gezwungen, Wohltätigkeitsorganisationen anzugehen.
Ausschnitt aus einem Artikel aus Tachles 11. April 2014