Gründer und Präsident
KURT WENGER


 
Interview
Kleines Interview mit einer Kurdin aus Syrien


Kurt Wenger: Midiya, du wohnst jetzt in der Schweiz, doch woher kommst du ursprünglich?

Midiya: Aus Aleppo in Syrien

KW: Du sprichst erstaunlich gut Deutsch. Wie lange bist du schon hier?

MI: Seit 2006.     

KW: Warum bist du nicht in Syrien geblieben?

MI: Wir sind Kurden, und diese sind in Syrien eine Minderheit. Wir haben keine Rechte. Mein Mann ist Musiker und führte ein Musikaliengeschäft. Doch Kurden dürften eigentlich keine Geschäfte betreiben, sie dürfen nicht einmal ihre Muttersprache sprechen. Wir werden unterdrückt und leben ständig in Angst vor der Polizei.

KW: War diese Angst berechtigt?

MI: Ja, allerdings. Mein Mann wurde dreimal ins Gefängnis gesteckt, jeweils für zwei bis drei Monate. In syrischen Gefängnissen werden die Häftlinge geschlagen, sie müssen ohne Matratze auf dem Boden schlafen und bekommen manchmal nichts zu essen.

KW: Und das, ohne etwas Schlechtes getan zu haben, einfach nur, weil ihr Kurden seid?

MI: Ja.

KW: Und so habt ihr schliesslich eure Heimat verlassen?

MI: Ja, wir sind mitsamt unseren zwei Mädchen von ein und zwei Jahren geflohen. Ein Schlepper hat uns geholfen.

KW: Von diesen Schleppern weiss man, dass sie den Flüchtlingen viel Geld abknöpfen. Wie viel musstet ihr ihm zahlen?

MI: Alles, was wir hatten: 17‘000 Dollar.

KW: Was konntet ihr mitnehmen?

MI: Nichts. Nur die Kleider, die wir auf dem Leib trugen.

KW: Wie lange hat die Reise bis in die Schweiz gedauert?

MI: Etwa einen Monat.

KW: Wie kamst du zu einer Bibel?

MI: Hier in der Schweiz habe ich eine deutsche Bibel erhalten, aber diese konnte ich damals noch nicht lesen. So habe ich gefragt, ob ich vielleicht eine arabische erhalten könnte. Durch das Lesen der Bibel fand ich den Weg zu Gott.

KW: Wurdet ihr in ein Asylzentrum gebracht?

MI: In Kreuzlingen waren wir 61 Tage. Wir konnten dort leben und bekamen zu essen, jedoch kein Geld. Als ich einmal mit den Kindern spazieren ging – wir durften uns während drei Stunden vom Zentrum entfernen – schenkte eine Frau meiner Tochter zehn Franken. Das war für die ganze Familie eine grosse Freude, denn Schweizergeld kannten wir noch gar nicht. Damit konnten wir während ein paar Tagen jeden Tag einen Liter Milch für die Kinder kaufen.

KW: Was geschah nach diesen zwei Monaten?

MI: Da wurden wir in den Kanton Aargau gebracht. Dort lebten wir sieben Jahre im Asylheim. Doch wir hatten keine Arbeitsbewilligung, und jeden Tag hatten wir Angst, die Polizei könnte kommen und uns wieder ausweisen. Doch schliesslich sagte ich mir: Wir bleiben in der Schweiz, und Gott weiss das, und ich vertraue ihm. Und dann haben wir tatsächlich die Bewilligung B bekommen. Das war vor zwei Monaten.

KW: Was hat sich dadurch verändert?

MI: Wir dürfen jetzt in einer eigenen Wohnung in einem Wohnblock leben. Unsere Familie ist inzwischen auch gewachsen: Unsere Töchter sind zehn und acht Jahre alt, und unser Sohn ist fünf.

KW: Und was macht dein Mann?

MI: Er ist auf Arbeitssuche.

KW: Midiya, ich danke dir für dieses Interview.

 

Wenn jemand von unseren Rundbrieflesern gerne etwas für diese Familie spenden möchte, kann er das auf das gleiche Konto tun mit dem Vermerk: „Kurden, Schweiz“. Der Mann kann zwar Auto fahren, doch hier muss er nochmals eine Prüfung ablegen. Die politische Gemeinde streckt vieles vor, doch wenn er arbeiten kann, muss er den Betrag zurückzahlen.

Mich hat diese tapfere Frau beeindruckt. Sie bestätigt, dass sie ohne die Gewissheit, ein Gotteskind zu sein, nicht so stark und froh sein könnte trotz allen Entbehrungen und der lähmenden Ungewissheit. Die Familie besucht die Gottesdienste einer Freikirche.

Noch als Ergänzung: Von 2 x Weihnachten hatte ich ein Reservelager. Daraus durfte Midiya viele Lebensmittel wie Konfitüre, Honig, Teigwaren, Guezli, Schokolade sowie Hygieneartikel, Besteck und Papeteriesachen für ihre Schulkinder auslesen. Als wir das alles ins Auto luden, liefen ihr vor lauter Freude die Tränen über die Wangen. Auch dieses nachträgliche Weihnachtsgeschenk war für sie ein Wunder Gottes.

Gesucht im Raum Aarau bis Olten Arbeit für Midiya und ihren Mann. Es sind sehr liebe und nette Menschen. Sie sind bereit, jede Arbeit anzunehmen. Sie möchten wirklich arbeiten und ihre Familie selber durchbringen.

Wenn Sie Interesse haben, melden Sie sich doch bitte bei mir, dann bringe ich Sie mit dieser Familie in Kontakt. Danke.