Gründer und Präsident
KURT WENGER


 

Erster Bericht von den Familienpatenschaften in Jordanien


Lieber Bruder Kurt, liebe Schwester Silvia

Wir sind zurück aus Jordanien mit vielen Geschichten und Zeugnissen.
(Foto rechts: Elisabeth Atteih mit Flüchtlingskind)


Wir konnten 20 Familien helfen! Doch es gibt dort noch so viele mehr. Sie kamen zu uns und baten um Hilfe und Unterstützung.

Ein grosses Bedürfnis im Moment sind Heizöfen und Wolldecken. Es wurde bereits sehr kalt, und die Menschen leiden unter der Kälte. Ein Heizofen kostet 80 jordanische Denare (JD) = ca. CHF 130.-

Wir haben euch bereits früher mitgeteilt, dass wir gerne mit diesen christlich-syrischen Flüchtlingen in Jordanien Weihnachten feiern möchten.

 

Sehr dankbar wären wir um Unterstützung für folgende Dinge:
l Gemeinsames Weihnachtsessen
l Geschenke für die Kinder
l Heizöfen und Wolldecken als Geschenke für die Familien


Bruder Essam aus unserer Gemeinde (Foto rechts mit Flüchtlingskind) hat uns dieses Mal auf der Reise begleitet. Er und seine Frau haben ein grosses Anliegen für die Flüchtlinge. Wir beten, dass sie uns als Ehepaar in diesem Dienst zukünftig zur Seite stehen und dadurch noch viele andere Familien besucht werden können.

Berichte:
l "S" und "B" und ihre beiden Kinder im Alter von 5 Jahren und 10 Monaten waren so glücklich, von uns die gestrickten Pullover zu bekommen sowie einige Socken, die ihr mir gegeben habt. Die Frau weinte, als sie sie empfing. Sie erzählte, dass diese Gegenstände die ersten Winterkleider für ihre Kinder seien. "B" ist eine echte Gläubige. Sie besucht die Gemeinde und wächst im Glauben. Ihr Ehemann besucht auch die Gottesdienste mit ihr.

 

l "A" und seine Familie sind gute Gläubige. Sie konvertierten vor neun Jahren vom Islam zum Christentum. "A" war ein Sheik und lehrte den Islam. Seine Frau trug eine schwarze Körperbedeckung und war völlig verhüllt. Doch unbewusst suchten sie beide nach Gott. Eines Tages traf der Sheik einen seiner Studenten und fragte ihn, wieso er nicht die Morgenlektionen besuche.
Der Student artwortete: "Was ist das für ein Gott, der uns Sommer und Winter zwingt, frühmorgens aufzustehen und fünfmal am Tag zu beten?! So viele schwierige Gesetze werden uns aufgezwungen, und dabei gibt es keine Liebe."
Diese Worte seines Studenten brachten den Sheik zum Nachdenken. Nach ein paar Monaten sandte Gott ihm einen gläubigen Mann ("M") vorbei.
Der sprach zu ihm: "Es scheint mir, dass du ein Mann Gottes bist. Was weisst du über Gott"? Der Sheik antwortete: "Ich weiss nichts. Ich kenne ihn nicht."
"M": Möchtest du ihn kennen lernen?"
Der Sheik: "Wo und wie?"
"M": "Jetzt, in diesem Moment".
Und Bruder "M" erklärte ihm das Evangelium. Der Sheik war verwirrt, doch wollte er mehr darüber wissen. Sie tauschten ihre Adressen aus und begannen sich zu treffen, um die Bibel zu lesen. So kam der Sheik zum lebendigen Glauben! Allerdings musste er später samt seiner inzwischen auch gläubig gewordenen Familie des Glaubens wegen aus Syrien fliehen. Hier im Flüchtlingslager besuchen sie die wöchentlichen Gottesdienste. Dank unserer monatlichen finanziellen Hilfe können ihre intelligenten Kinder nun die Schule besuchen.

 

l In einer anderen syrischen Familie mit drei Töchtern starb der Ehemann vor zehn Jahren an Krebs. Die jüngste Tochter, damals18-jährig, brannte mit einem jordanischen Muslim durch und heiratete ihn. Wir trafen die Mutter an einem sehr schwierigen Tag. Sie weinte und beschuldigte Gott wegen ihres Leidens. Trotzdem tat ihr unser Besuch offensichtlich wohl. Als sie unter Tränen sagte: "Ihr kamt zufällig heute vorbei…" gaben wir zur Antwort: "Nein, das war des Herrn Wunsch, dass wir heute zu dir kommen, damit wir dir zuhören können, was du uns erzählst. Wir wollen dir helfen und dich ermutigen. Und wir wollen für dich beten." Als wir das Haus verlassen wollten, umarmten sie und ihre mittlere Tochter uns und liessen uns kaum gehen.


 

l Frau "H" steht zwischen mir (Elisabeth) und Najeeb, und ihre Tochter rechts von mir. Daneben sind muslimische Freunde, die das Evangelium hörten. — Unsere jordanische Helferin Samar teilte mit, Frau "H" fühle sich seit unserem Besuch und Gebet wirklich gestärkt und gesegnet.

 

l Eine andere Familie mit vier Kindern lebt mit ihren alten Eltern sowie dem Bruder der jungen Frau zusammen. Zwei oder drei Familien wohnen oft beisammen, um Miete zu sparen. Diese Geschichte brach unsere Herzen:
Die Familien waren auf der Flucht vor der ISIS. Diese erwischten sie jedoch und stellten sich ihnen mit ihren Waffen in den Weg. Sie wollten die hübsche Frau mitnehmen. Ihre beiden Kinder begannen laut zu schreien und wollten ihre Mutter nicht gehen lassen. So packte die ISIS die Frau samt ihren Kindern und befahl den anderen, ihren Weg fortzusetzen. Bei Widerstand würden sie sie erschiessen. Als ihr Ehemann seine Frau beschützen wollte, wurde er von der ISIS verletzt. Durch dieses traurige Ereignis und den Verlust seiner Familie verlor der Mann den Verstand. Zwar lebt er mit dem Rest der Familie, aber so, als ob er nicht mehr existierte. Wir gaben ihnen eure Spende. Die alte Frau begann laut zu weinen und rief: "Ihr seid Engel vom Himmel…"

 

l Da gibt es ein junges Ehepaar mit einer Tochter. Die Ehefrau ist krank und braucht dringend eine Operation, da sonst die Gefahr besteht zu erblinden. Von jemandem erhielt sie 300 jordanische Denare (JD) dafür, doch die OP kostet 750 JD. Sie bettelte um den Rest des Geldes. Und somit konnten wir sie nicht verlassen, ohne ihr geholfen zu haben.  — Inzwischen wurde Frau "R" operiert. Wir erkundigten uns bei unserer Helferin Samar und vernahmen, dass die OP erfolgreich war. Es geht der Frau gut, und sie ist dem Herrn und den Unterstützern sehr dankbar.

 

l Da gibt es eine sehr arme Familie mit drei Kindern. Sie leiden an Depression. Die Kinder wollen nicht zur Schule gehen, da sie vorher in einem Dorf wohnten und kaum mit anderen Kindern Kontakt hatten. Wir spürten eine Bedrückung und Gebundenheit in diesem Haus und beteten im Namen unseres Herrn Jesus um Befreiung von bösen Geistern.

l Eine andere Familie ist auch sehr arm. Sie haben eine sowohl körperlich wie geistig behinderte Tochter. Ihren 27-jährigen Sohn verloren sie während der Flucht. Er hatte Krebs, und wegen Mangel an Medikamenten starb er.

l Familie "P" hat vier Kinder, die aus finanziellen Gründen nicht zur Schule gehen. Sie baten uns um Geld, damit sie sich warme Winterkleider kaufen könnten. Sie hatten ihr Land im Sommer verlassen mit nur gerade den Kleidern, die sie trugen. Wir trafen diese Familie, kurz bevor wir aus Jordanien zurück reisten und hatten wirklich kein Geld mehr für sie. Unter Tränen verliessen wir sie, weil wir ihnen nicht helfen konnten. So beten wir zum Herrn, dass Er ihnen zur rechten Zeit ihre Bedürfnisse decken möge.


l Eine andere Flüchtlingsfamilie wird vom jordanischen Hauseigentümer bedroht, aus dem Haus geworfen zu werden. Sie leben in Amman. Auf dem Foto sieht man keine Möbel. Das einzige, um darauf zu sitzen, ist der Teppich. Sie haben zwei Kinder.

l Familie "J" kam zum Glauben durch ihre Tochter. Gemeinsam flohen sie vor den ISIS in einem Bus aus ihrem Land. Sie waren in grosser Angst angesichts ihrer ungewissen Zukunft. Auf der Flucht erzählte die gläubige Tochter ihrer Familie, sie hätte in der Nacht zuvor einen Traum. Darin sah sie einen Mann, der dem Bus nachrannte. Er winkte und wollte das Fahrzeug aufhalten. Die Tochter bat den Fahrer, den Bus anzuhalten. Der tat es und öffnete die Tür: Es war Jesus selbst, der in den Bus stieg und ihnen sagte: Fürchtet euch nicht! Ich bin mit euch und werde euch auf dieser Fahrt und Reise begleiten!

Auf der ganzen Fahrt beteten die Tochter und ihre Familie. Auch andere Passagiere beteten. Doch dann schoss plötzlich ein Scharfschütze durch das Fenster des Busses und tötete ein paar Frauen, die hinter jener Familie sassen. Man stelle sich vor – während vieler Stunden liegen Tote im Auto! Eine panische Angst verfolgte sie auf dem ganzen Weg. Die Situation ist nicht einfach und braucht viel Gebet!

l Es gibt noch viele andere Geschichten. Wenn man diese Menschen besucht, findet man auf dem Boden oft nur ein paar Matratzen nebst ein paar Plastikstühlen. Doch es fehlt an Heizöfen und Wolldecken. Es gibt auch keine Spielsachen für die kleinen Kinder. Als wir ankamen, waren die Flüchtlinge traurig – doch wir brachten ihnen Hoffnung, indem wir erzählten, sie seien nicht vergessen. Es gäbe Brüder und Schwestern, die sich um sie kümmern und ihnen helfen wollen. Das sei der Grund unseres Kommens.

Wir danken dem Herrn, dass Er uns zu Samar führte, die stark im Glauben ist. Sie ist unsere jordanische Helferin und will sich nun um diese Flüchtlinge kümmern. Sie kennt die Bedürfnisse der einzelnen Familien. Samar führte und begleitete uns täglich zu den jeweiligen Flüchtlingen.

Bitte betet für die Nöte und Anliegen dieser Familien. Die Hand des Herrn hat wirklich über jedem unserer Schritte gewacht Seid reich gesegnet! Herzliche Grüsse im Namen Jesu.

Pastor Najeeb und Elisabeth Atteih
In einem Mail vom 1. Dezember berichtet Elisabeth: Wir wollen es so handhaben, wie ihr uns gebeten habt und jede Familie monatlich mit CHF 200.- unterstützen. Wir gaben ihnen von unserem privaten Geld, das wir von Rea Israel für unsere Auslagen bekommen hatten. (Drei Tage pro Monat verbringen sie in Jordanien, um die Patenfamilien zu besuchen. Dafür erhielten sie einen bescheidenen Betrag für die Spesen wie Autofahrt und Aufenthalt.  Anmerk. Kurt Wenger)

Die Not dort ist viel grösser, als wir uns vorstellen können. Es ist nicht Europa, sondern ein moslemisches Land, wo Arbeit für Flüchtlinge verboten ist. Es gibt aber keine Unterstützung von der Regierung. Nach dieser Reise sind mir keine Tränen mehr übriggeblieben. Um ehrlich zu sein, halfen wir zusätzlich mit unserem Taschengeld.  — Heute Nachmittag rief uns Samar an und erzählte, dass "H" (die Frau, deren zwei Töchter sie verlassen haben) sie anrief, weinte und dankte, das Geld sei im richtigen Moment gekommen. — Von "A" vernahm ich, der Hausvermieter habe die Miete akzeptiert und erlaube ihnen, einen weiteren Monat darin zu wohnen. — Es gäbe noch viel mehr zu erzählen.