Rundbrief Nr. 146
November 2017


Aufruf zur Weihnachtsaktion in Jordanien
Gilad und Rachel Netanel
Von Elizabeth Atteih

Schabbat steht vor der Tür. Rachel und ihr Mann Gilad sind in freudiger Erwartung der Gäste, die am Abend zum Essen in ihr Haus in Jerusalem kommen werden. Es ist sommerlicher August, also lässt sich fein im Garten niederlassen. Die Tische sind festlich gedeckt, alles ist bereit. Wie viele werden wohl kommen?

Rachel rechnet mit 40 Personen. Entsprechend berechnet sie die Portionen, fügt aber sicherheitshalber für spontane Gäste noch etwas hinzu. Dann erscheinen die Leute – 30, 40, 45, 50, 55, 60 oder sogar noch mehr Personen? Unglaublich! Woher kommen sie alle? Viele kennt sie nicht. Einige wurden von Rachel eingeladen, welche wiederum spontan Freunde mitbringen. So läuft das im Orient! Gemeinsames Essen war schon zu Abrahams Zeit äusserst wichtig!

Die Situation der Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak ist vielfach bekannt. Die ganze Welt hat davon gehört. Viele Organisationen haben sich dafür eingesetzt und sich ganz praktisch der Nöte dieser Flüchtlinge angenommen. Aber nur wenige helfen ihnen auch geistlich und seelisch.
 
Wir haben einen Dienst unter den syrischen Flüchtlingen ins Leben gerufen, der sich «von Herz zu Herz» nennt. Regelmässig fahren wir nach Jordanien und treffen uns mit christlichen Flüchtlingsfamilien, um ihnen nebst finanzieller Unterstützung auch emotional beizustehen.
 
Nun möchten wir am 26. Dezember einen Weihnachtsanlass durchführen mit der Hilfe von Ihnen von Rea Israel und von unserer Immanuel-Gemeinde in Haifa. Viele Flüchtlinge sollen gesegnet und daran erinnert werden, dass unser Erlöser sie nicht vergessen hat.

Najeeb und ich möchten nach Frauen und Männern getrennte Versammlungen halten und über innere Heilung sprechen. Aber auch ein Kinderprogramm soll organisiert werden und zwar nicht nur für die Kinder unserer Patenschaftsfamilien, sondern für viele mehr. Wir rechnen mit hundert Kindern und möchten jedem von ihnen als Weihnachtsgeschenk ein warmes Kleidungsstück überreichen. Wir freuen uns jetzt schon über jedes Lächeln auf ihren Gesichtern.

Das Thema dieses Weihnachtsfestes soll bei Gross und Klein die rettende Botschaft sein und damit verbunden die Vergebung betont werden. Es wird eine Zeit der Zeugnisse und des gemeinsamen Gebets geben. Und wir rechnen damit, dass etliche dieser wunderbaren Menschen Busse, Umkehr und Versöhnung erleben.

Natürlich soll auch ein feines Weihnachtsessen nicht fehlen sowie ein Geschenk für jede Familie.

Einen solchen Anlass können wir nicht selbst finanzieren. Daher fragen wir Sie, die Familie Gottes, um Unterstützung an. Wir rechnen mit Gesamtkosten von gegen die CHF 10'000.- inkl. Saalmiete.

«Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr seid zu mir gekommen. Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.» Matthäus 25, 35-36, 40

Danke für alle Hilfe!
Mit herzlichen Segensgrüssen
Elizabeth Atteih
Immanuel Gemeinde Haifa


 Herzlichen Dank für alle Gaben für die Weihnacht in Jordanien. 

Bitte helfen Sie uns helfen!
Postkonto 60-730528-4


Oder, wenn Sie uns bei diesem Projekt unterstützen möchten, schicken wir Ihnen gerne weitere Informationen und Einzahlungsscheine resp. Zahlscheine zu. Vielen Dank.


Hilfe für Holocaust-Überlebende – Freude und Trauer im Haifa-Heim
von Kayla Ellingsworth

Die Bewohner unseres Heims für bedürftige Holocaustüberlebende in Haifa werden immer betagter. Leider mussten wir uns wieder von einem der ältesten Senioren verabschieden. Doch wir hatten auch das Privileg, einen neuen Bewohner willkommen zu heissen.

Edmond 

„Das Haifa-Heim hat mir das Leben gerettet…“
Edmond, der viele Jahre lang als Sportlehrer gearbeitet hatte, war immer sehr aktiv; doch mit fortschreitendem Alter bekam er schwere Herzprobleme. Er konnte schliesslich die vielen Treppenstufen hinauf in seine Wohnung nicht mehr bewältigen und hatte grosse Schwierigkeiten, seine Miete zu bezahlen. Diese Umstände führten dazu, dass Edmond sich eine andere Bleibe suchen musste und in der Synagoge seines Viertels Unterschlupf fand. Gutwillige Menschen versorgten ihn dort ab und zu mit Lebensmitteln. Depressionen und tiefe Verzweiflung waren die Folge seiner schwierigen physischen und psychischen Situation. Das Sozialamt sorgte schliesslich dafür, dass Edmond im Haifa-Heim Aufnahme fand. Hier werden seine Bedürfnisse gestillt. In der liebevollen Gemeinschaft der anderen Bewohner und der Mitarbeiter findet er Trost und Unterstützung. Trotz seiner vielen gesundheitlichen Herausforderungen ist er sehr dankbar, diesen Ort gefunden zu haben. „Das Heim hat mir sprichwörtlich das Leben gerettet“, sagt er.

Wohnen und leben in Gemeinschaft
Besucht man das Haifa-Heim, fällt einem auf, dass es sich eigentlich um eine kleines „Dorf“ entlang derselben Strasse handelt. Die Überlebenden wohnen in den Erdgeschossen verschiedener Wohnhäuser, doch sie kommen alle regelmässig in einem Gemeinschaftshaus zusammen. Dort befinden sich der Speisesaal, der Raum für Freizeitaktivitäten und ein Museum. Dieses gemeinschaftliche Wohnambiente vermittelt viel Geborgenheit. Die lächelnden Gesichter und die herzliche Ausstrahlung der Bewohner sprechen für sich. Sie zeugen von der Dankbarkeit der Senioren für die liebevolle Betreuung, die sie hier erfahren. Geist, Körper und Seele werden versorgt – durch gutes Essen, Gymnastikkurse, Freizeitaktivitäten, Gemeinschaft und viel Liebe. „Ich wohne gerne hier, weil für alles gesorgt ist. Ich muss mir keine Sorgen machen“, sagt Bewohnerin Miriam dankbar.

Berthold und Sofia 

In Memoriam: Bertold Lahav
Im Juni erreichte uns die traurige Nachricht, dass Heimbewohner Bertold Lahav im Alter von 95 Jahren verstorben ist. Er wuchs mit seinen beiden Brüdern in Rumänien auf, doch während des Zweiten Weltkrieges verlor er seine Geschwister bei einem Bombenangriff. Zwangsarbeit, Hunger und Kälte waren seine ständigen Begleiter, doch er überlebte alle diese Strapazen und kam 1959 nach Israel. Berthold war schon zweimal verwitwet, als er seine dritte Frau, Sofia, vor 23 Jahren kennenlernte. Sofia stammt aus der Ukraine und war als kleines Kind mit ihrer Mutter und ihrem Bruder monatelang auf der Flucht vor den Nazis. 1989 wanderte sie nach Israel ein, wo sie Berthold kennenlernte. Sofia und Berthold waren glücklich miteinander und liebten sich sehr. Im Jahr 2015 zogen sie gemeinsam ins Haifa-Heim. Doch am 3. Juni ist Berthold gestorben. Als wir Sofia besuchten, sagte sie: „Ich kann mit Worten gar nicht ausdrücken, wie sehr sich die Mitarbeiter hier um mich kümmern. Jeden Tag schauen sie, wie es mir geht, bringen mir das Essen und trösten mich. Auch viele Bewohner haben mir ihr Beileid bekundet. Ich bin hier wirklich zu Hause, das ist meine Familie, hier möchte ich bleiben.”

Schwieriger Wechsel
Das Haifa-Heim passt sich ständig den Bedürfnissen seiner Bewohner an, die immer älter werden. In den meisten Fällen sind die Senioren noch recht selbständig, wenn sie zu uns kommen. Wenn sie zusätzliche praktische Unterstützung brauchen, werden häusliche Betreuer angestellt, die sich um die Bewohner kümmern. Benötigen die Überlebenden jedoch zusätzliche medizinische Versorgung, müssen sie schliesslich in ein reguläres Pflegeheim wechseln. Dieser Schritt fällt den meisten sehr schwer, weil sie die liebevolle Gemeinschaft und Betreuung vermissen, die sie so lange genossen haben. Viele sterben bald nach ihrer Verlegung.

Neue Perspektiven
Nun hat ein Pflegeheim, das sich nur wenige hundert Meter entfernt vom Haifa-Heim befindet, angeboten, eine ganze Etage mit 22 Betten für Holocaustüberlebende zur Verfügung zu stellen. Als ICEJ müssten wir nun Pflegebetten kaufen, Mitarbeiter anstellen und das Geschoss renovieren lassen. Doch alle anderen Dienste des Pflegeheimes könnten genutzt werden, einschliesslich der ärztlichen Betreuung, Physio- und Beschäftigungstherapie. So wäre es möglich, den Senioren in dieser neuen Einrichtung dieselbe liebevolle Betreuung zugutekommen zu lassen wie im Haifa-Heim. Zudem würde die enge Gemeinschaft der Bewohner nicht auseinanderbrechen, da man das Pflegeheim vom Haifa-Heim aus problemlos zu Fuss erreichen kann.
„Am Anfang ihres Lebens haben die Bewohner Furchtbares durchmachen müssen und viel Mangel erlitten. An ihrem Lebensabend können wir dazu beitragen, dass sie die Liebe und Fürsorge erfahren, die sie jetzt so dringend benötigen“, sagt Yudit Setz von der ICEJ-Sozialabteilung, die das Heim jede Woche besucht.

Bitte helfen Sie uns dabei, diese neue Pflegestation zu realisieren! Eines der insgesamt 22 Betten kostet 3500 Euro, die Renovierungskosten belaufen sich auf 150 000 Euro. Als Verwendungszweck bitte „Haifa-Heim“ angeben. Herzlichen Dank!

Oder unterstützen Sie das Haifa-Heim durch die Übernahme einer monatlichen Patenschaft. Sie stellt sicher, dass die Bewohner mit allem versorgt werden, was sie brauchen. Da sich das Haifa-Heim nur durch Spenden finanziert, ist Ihr Beitrag von entscheidender Wichtigkeit.

Text mit freundlicher Genehmigung aus ‚Wort aus Jerusalem ICEJ‘, Ausgabe Nr. 4 / 2017, herausgegeben von der ICEJ – Deutscher Zweig e.V. / Bilder von der ICEJ in Jerusalem

 Auch Rea Israel unterstützt das Haifa-Heim und seine Bewohner. Gaben werden entsprechend weitergeleitet. Herzlichen Dank! 

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Den Holocaust nicht vergessen! Gedenktage und Wanderausstellung
Gilad und Rachel Netanel
Im Jahr 2005 wurde von den Vereinten Nationen ein internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts (International Holocaust Remembrance Day) eingeführt. Als Gedenktag wurde der 27. Januar gewählt, weil an diesem Tag vor 60 Jahren das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau befreit wurde.
 
Heute leben in der Schweiz noch rund 450 solcher Menschen, die damals die Konzentrationslager überlebt hatten. Die meisten kamen nach dem Zweiten Weltkrieg in unser Land. Vierzehn von ihnen erzählen ihr Schicksal in der Wanderausstellung «The Last Swiss Holocaust Survivors» (die letzten Schweizer Holocaustüberlebenden). Diese wertvolle Ausstellung kann in verschiedenen Schweizer Städten besichtigt werden. Bereits haben in Zürich über 3'000 Personen die Ausstellung besucht, darunter 40 Schulklassen. Vom 4.-24. Dez. 2017 wird die Ausstellung an der Universität Basel zu sehen sein. (Weitere Orte und Termine der Ausstellung sowie Lebensgeschichten von Holocaust-Überlebenden siehe unter www.last-swiss-holocaust-survivors.ch/de/ausstellung)

In Israel gedenkt man der Holocaustopfer im Frühling. Im kommenden Jahr 2018 findet der Gedenktag am 12. April statt. Dann ertönen in ganz Israel um 10 Uhr die Sirenen. Während zwei vollen Minuten stoppt der Verkehr, und die Menschen stehen still, wo immer sie sich gerade befinden. Mit Respekt gedenken die Israelis den Gräueln, die Millionen von ihren Vorfahren erleben mussten. Bei verschiedenen Zeremonien kommen auch Überlebende zu Wort. In Israel leben zurzeit noch gut 190‘000 Holocaustüberlebende, davon 1/3 unterhalb der Armutsgrenze.

Seit 2010 gibt es in Haifa ein Heim für Holocaustüberlebende, welches von der «Christlichen Botschaft Jerusalem» mit internationalen Spenden unterstützt wird. Ungefähr 80 Personen leben dort. Sie erfahren viel Liebe, Hilfe und Zeichen der Wertschätzung.  Auch Rea Israel unterstützt dieses Heim regelmässig.

Die israelische Wohltätigkeits-Organisation «Meir Panim» serviert täglich Tausenden von Holocaustüberlebenden ausgewogene Mahlzeiten. Dies geschieht durch ihre Suppenküchen, aber auch durch den Mahlzeitendienst, der den schwächeren Alten das Essen gratis nach Hause bringt.

Es ist geschehen – und es könnte wieder geschehen!
Antisemitismus ist auch in der Schweiz auf dem Vormarsch. Es ist die Verantwortung unserer Generation, den Ruf des «Nie wieder!» weiterzutragen. Diese Art der Erinnerungs- und Aufklärungsarbeit ist äussert wichtig. Dazu dient die erwähnte Wanderausstellung hervorragend.

Quelle: Ebenezer Operation Exodus, zusammengestellt von Silvia Pfeil

 Gaben für das Haifa-Heim oder für Meir Panim werden sehr gern weitergeleitet. 

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Die Exodus 1947 – Das Schiff, das eine Nation entstehen liess
2017 ist das Jahr der Jubiläen – wir feiern die Wiedervereinigung Jerusalems vor 50 Jahren und den hundertsten Geburtstag der Balfour-Erklärung. Doch noch eines dritten wichtigen Ereignisses, das sich vor 70 Jahren zutrug, werden wir dieses Jahres geden-ken. Zu Ehren der Exodus `47, wird ein besonderes Denkmal in Haifa enthüllt. Die Exo-dus wurde auch als „Schiff, das eine Nation entstehen ließ“ bekannt.

Die Exodus ’47 wird unter britischer Bewachung in den Hafen von Haifa geschleppt.
Foto: Frank Scherschel - This is available from National Photo Collection of Israel, Photography dept. Goverment Press Office 
Verzweifelte Reise
Der alte, klapprige Vergnügungsdampfer war ursprünglich gebaut worden, um die flachen und ruhigen Gewässer der Chesapeake Bay an der Ostküste der USA zu befahren. Doch der jüdische Untergrund baute die Exodus 1947 so um, dass sie tausende von Holocaustüberlebenden über das Mittelmeer transportieren konnte. Sie begaben sich auf eine verzweifelte Reise mit dem Ziel, die britische Blockade zu durchbrechen und die Küste des britischen Mandatsgebietes Palästina zu erreichen. Als die britische Marine das Schiff kurz vor der Küste angriff, erregte das tragische Schicksal ihrer Passagiere die Aufmerksamkeit der Weltmedien - und spielte eine zentrale Rolle bei der Wiederentstehung Israels im darauffolgenden Frühling.

Pastor mit Spezialauftrag
Als die Exodus vor 70 Jahren in Frankreich in See stach, war sie schwer beladen mit über 4500 zerlumpten jüdischen Flüchtlingen. Sie hatten den Völkermord der Nazis überlebt und waren entschlossen, nach Israel auszuwandern. Doch die Briten verhängten eine Seeblockade, um solche Flüchtlingsschiffe am Erreichen Palästinas zu hindern. Die Passagiere wussten, dass sie alle nach Europa zurückgeschickt würden, sollten sie aufgebracht werden. Daher lud die jüdische Untergrundorganisation Haganah den ihr zugeneigten amerikanischen Methodistenpastor, Rev. John Stanley Grauel dazu ein, als Reporter an Bord zu kommen. Er würde in der Lage sein, frei und ungehindert über das sich anbahnende Drama zu berichten.

Die Passagiere der Exodus müssen im Hafen von Haifa das Schiff verlassen – bewacht von britischen Soldaten.
Foto: Hans Pinn - This is available from National Photo Collection of Israel, Photography dept.  

Stürmung des Schiffes
Als sich das überfüllte Schiff in dunkler Nacht der israelischen Küste näherte, wurde es von einer britischen Flotte von sechs Zerstörern und einem leichten Kreuzer umzingelt. Zunächst nahmen zwei Zerstörer die Exodus zwischen sich und versuchten, ihren alternden Rumpf zu zerdrücken. Nachdem sieben solcher Rammversuche erfolglos blieben und die Exodus nicht zum Sinken brachten, stürmten britische Truppen, die mit Maschinengewehren und Schlagstöcke bewaffnet waren, das Schiff. Die schutzlosen Juden wehrten sich so gut sie nur konnten. Drei wurden getötet und fast 150 verletzt. Trotz ihres beherzten Widerstandes wurde das Schiff eingenommen und in den Hafen von Haifa geschleppt. Dort verhaftete man alle jüdischen Passagiere und schickte sie schliesslich zurück nach Deutschland.

Augenzeuge vor der UNO
Doch die Briten konnten Rev. Grauel nicht festnehmen, da er Nichtjude und amerikanischer Staatsbürger war. Stattdessen stellten sie ihn in einem Hotel in Haifa unter Hausarrest. Doch es handelte sich genau um das Hotel, in dem die westlichen Journalisten wohnten, die in jenem Sommer über den Besuch des UN-Sonderausschusses zu Palästina (UNSCOP) berichteten. Grauel begann, diesen Reportern über die brutale Tortur auf See zu erzählen. Spät in der Nacht wurde er schliesslich von der Haganah aus dem Hotel geschmuggelt und vorbei an mehreren Strassensperren nach Jerusalem gebracht. Dort sollte er den Ausschussmitgliedern der UN selbst erzählen, was sich ereignet hatte.

Stimmungsumschwung
Der Ausschuss hatte in jenem Sommer Anhörungen durchgeführt, um eine Lösung des „Palästina-Problems“ vorzuschlagen. Doch die elfköpfige Kommission weigerte sich bis dato, jüdische Flüchtlinge zu treffen, die sich immer noch in den Lagern für Displaced Persons (Heimatlose oder Vertriebene) in Europa befanden. Als Grauel jedoch aus erster Hand über den britischen Angriff auf die unbewaffneten Flüchtlinge an Bord der Exodus berichtete, hatte dies eine tiefgreifende Wirkung auf die Ausschussmitglieder. „Die Exodus hatte keine Waffen“, sagte Grauel vor der UNSCOP. „Sie kämpften nur mit Kartoffeln, Konservendosen und ihren blossen Händen.“
Die Not der Exodus-Passagiere beschäftigte so mehrere Monate lang die Weltöffentlichkeit. Und der UN-Kommission wurde immer stärker bewusst, dass sie sich auf einer humanitären Mission befand. Bis dahin war die Mehrheit ihrer Mitglieder gegen eine Teilung des Mandatsgebiets und die Schaffung eines jüdischen Staates eingestellt. Doch nachdem Grauel sich für die Juden ausgesprochen hatte, war die Kommission bereit, die Lager in Europa zu besuchen, um direkt mit jüdischen Flüchtlingen zu sprechen, die fast alle den starken Wunsch hatten, nach Palästina auszuwandern. Es dauerte nicht lange, bis die UNSCOP-Mitglieder sich einig waren, dass das jüdische Volk einen eigenen Staat brauchte.

Schicksalsträchtiger Moment
So wurde die Zeugenaussage eines christlichen Geistlichen über den britischen Angriff auf die Exodus zum Wendepunkt für die UNSCOP – sie war nun bereit, einen jüdischen Staat zu akzeptieren. Grauel schrieb später über diesen schicksalsträchtigen Moment an Bord des Schiffes. Er erklärte, es habe sich angefühlt wie die Schlacht von „Concord und Lexington….ich wusste einfach, dass ich der Wiedergeburt eines Staates beiwohnte.“ Tatsächlich beschrieb die bekannte Journalistin Ruth Gruber, die als Augenzeugin verfolgte, wie das aufgebrachte Schiff in Haifa andockte, die Exodus 47 als „das Schiff, das eine Nation entstehen liess“.
Das Boot blieb im Hafen von Haifa, bis es 1952 durch ein mysteriöses Feuer zerstört wurde, das es bis auf die Wasserlinie niederbrannte. Man schleppte es daraufhin in tiefere Gewässer, wo es sank. Heute gibt es Gedenktafeln für die Exodus in Italien, Frankreich, Deutschland und Baltimore, Maryland. Es erscheint wie eine Ironie der Geschichte, dass bisher eine Gedenktafel oder ein Denkmal für die Exodus in Israel gänzlich fehlt.

Späte Ehrung
Dieses Versäumnis wird diesen Sommer nachgeholt. Israelische Vertreter versammeln sich gemeinsam mit jüdischen und christlichen Führungspersönlichkeiten sowie den letzten Überlebenden der Exodus am Hafen von Haifa, um eine besondere Skulptur und Gedenktafel zu Ehren der mutigen Passagiere der Exodus zu enthüllen. Die Initiative geht von der Jewish American Society for Historic Preservation (jüdisch-amerikanische Gesellschaft für die Erhaltung historischer Stätten) aus. Die Christliche Botschaft ist ebenfalls vertreten, um dieses Ereignis zu begehen. Zusätzlich zur Ehrung der mutigen jüdischen Flüchtlinge an Bord der Exodus wird auch die Schlüsselrolle angemessen betont, die Rev. John Stanley Grauel in dieser Geschichte gespielt hat. Siebzig Jahre, nachdem ihre Fahrt dazu beitrug, den Staat Israel entstehen zu lassen, wird der Exodus 47 endlich die Ehre zuteil, die ihr gebührt.

Mit freundlicher Genehmigung der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem ICEJ, Deutscher Zweig.  (Wort aus Jerusalem Nr.4/2017, herausgegeben von der ICEJ - Deutscher Zweig e.V.)

Dankesworte von Doron Schneider vom Einkaufswagen-Projekt
Vielen Dank für die gespendeten Einkaufswagen mit Lebensmitteln! Dadurch konnten wir in den letzten Monaten mindestens 120 jüdische und messianisch-jüdische Familien erfreuen und segnen – und in den meisten Fällen ihnen auch von Jesus und dem Evangelium berichten, weil die erste Frage dieser bedürftigen Familien meistens lautet: „Warum helfen die Christen uns?“ So können wir mit jedem geschenkten Einkaufswagen auch den Samen der Guten Botschaft verbreiten.

Dankesworte von Valdemar und Nina Yakubovich
Lieber Bruder Kurt, Schalom! Wir haben die Liebesgabe von Fr. 3‘000.- erhalten. Wir danken dem Herrn dafür und segnen dich, du treuer Bruder. Meine Familie und ich beten für deinen Dienst und segnen dich und alle treuen Mitarbeiter und Spender, die ein offenes Herz für unsere Familie und Israel haben. Deine Freunde sein zu dürfen, ist ein grosser Segen! Wir schätzen insbesondere diese Unterstätzung, weil wir auch einen Dienst unter Drogenabhängigen tun und mithelfen in der Verkündigung des Evangeliums. Im Talmud steht geschrieben: „Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt.“ Wir lieben euch sehr! Mit herzlichen Grüssen an dich und alle von Rea Israel.

rea Israel
Christliches Hilfswerk
für Israel

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