Rundbrief Nr. 165
Mai 2019


Armut in der Schweiz
Seit über zwanzig Jahren gibt es die wunderbare Aktion «2x Weihnachten». Auch hier ist Rea Israel aktiv. Wir bekommen jeweils viele Kilos Waren, die wir vorerst im ehemaligen Schuhladen im Parterre in unserem Bürohaus in Niedergösgen stapeln. Dann kommen bedürftige Familien, Ehepaare und Einzelpersonen vorbei, um sich davon zu bedienen. Oft füllen sie ihren Wagen auch für andere Bedürftige. Und ich, Kurt Wenger, bringe von diesen kostbaren Sachen zu Leuten, die nicht mobil sind bzw. kein Auto haben.
In der Ausgabe vom 26. März 2019 der Aargauer Zeitung wird gesagt, dass allein im Kanton Aargau aktuell 12'492 Personen auf der schwarzen Liste der säumigen Krankenkassenzahler stehen…


Ein Kommentar zum Buch «Die Offenbarung» von Winfried Balke
Jakob und Sylvia Zopfi
Im Spätherbst 2018 führte ich wie üblich eine Gruppenreise zu einer Badekur ans Tote Meer. Es freut mich, dass stets eine ganze Anzahl regelmässige Gäste dabei sind, daneben aber immer wieder neue Menschen mitkommen, dieses Mal auch Jakob und Sylvia Zopfi. Während vielen Jahren führten sie das Hotel Seeblick in Emmetten, Jakob war zudem während dreissig Jahren erst Sekretär, dann Präsident der Schweizerischen Pfingstmission. Zudem war er als Evangelist und Bibellehrer tätig. Also wahrlich ein Mann, der die Bibel und Bücher über die Bibel kennt.

Nun, zum kürzlich erschienenen Buch «Die Offenbarung» von Winfried Balke schrieb er mir in einem Brief: «Sie ist das beste, was zurzeit ‘auf dem Markt’ ist – wenn man nicht gerade einen Pentecost lesen kann oder will.» Dreimal hat er mehrere Bücher bestellt!

Auch Sie als Freunde von Rea Israel haben die Gelegenheit, weitere Bücher zu bestellen und zwar statt für Fr. 10.- zum Freundschaftspreis von Fr. 4.- pro Stück, zusätzlich Porto.

Ein grosses Dankeschön!
Es kamen noch etliche Spenden für Schüler der Messianischen Schule Makor Ha Tikvah herein, wodurch weiteren Kindern von ärmeren Eltern der Besuch der Schule ermöglicht wird. Mit Freude überwiesen wir die Beträge an die Schule.

Es ist uns vom Team ein Bedürfnis, Ihnen, liebe Freunde, liebe Spenderinnen und Spender von Rea Israel, einmal mehr ein grosses, liebes Dankeschön auszusprechen. Was für ein riesiger Segen Sie doch sind!


Besuch der irakisch-christlichen Flüchtlinge
Unsere Kontaktpersonen in Israel: Shmuel und Pamela Suran

«Glücklich, wer achthat auf den Geringen; am Tage des Übels wird der Herr ihn erretten. Der Herr wird ihn bewahren und ihn am Leben erhalten; er wird glücklich gepriesen im Lande. Gib ihn nicht der Gier seiner Feinde preis.» Psalm 41,2-3

Im Februar hatten Pamela und ich das Vorrecht, einmal mehr den «Fluss zu überqueren» und unsere geliebten irakisch-christlichen Glaubensgeschwister in Amman, Jordanien zu besuchen. Diese Vertriebenen sind uns wie zur eigenen Familie geworden. Sie brauchen auch in Zukunft unsere Gebete und Unterstützung. Gerne engagieren wir uns weiterhin mit humanitärer Hilfe an diesen verfolgten Christen, was durch Ihre grosszügigen Gaben ermöglicht wird.

Im Irak ist das Christentum seit Jahrhunderten beheimatet. Das Evangelium wurde dort durch den Apostel Thomas und andere Christen des ersten Jahrhunderts verkündigt. Die heutigen Christen sind Nachkommen der ursprünglichen Bewohner des Iraks, die damals als Aramäer bekannt waren. Noch heute sprechen sie Aramäisch, die Sprache, die auch Abraham und Jesus sprachen, und nicht Arabisch.

Die Aramäer kommen aus dem damaligen «Mesopotamien». Das Land wurde im 20. Jahrhundert in moderne Staaten aufgeteilt: Irak, Syrien und Türkei. In alten Zeiten kamen die Aramäer aus «Aram-Naharaim» (hebr. Bezeichnung), oder «Aram-Nahrin» (aramäische Bezeichnung). Als man das Alte Testament ins Griechische übersetzte, wurde der Name «Aram-Naharaim» als «Mesopotamien» übersetzt.

Unser letzter Besuch bei diesen irakisch-christlichen Familien in Jordanien brach uns das Herz. Es gibt immer noch Tausende von irakischen Christen, die von den UNHCR (UNO-Flüchtlingshilfswerk) völlig vernachlässigt werden. Es wird ihrer Bitte, in einem anderen Land angesiedelt zu werden, nicht nachgekommen. Diese Menschen sind aus Angst vor der IS-Terrorgruppe aus ihrer Heimat geflohen und suchten Schutz im Nachbarland Jordanien.

Als wir 2015 zum ersten Mal Jordanien besuchten, durften vertriebene Christen schliesslich in andere Gastländer wie Kanada und Australien ausreisen, um sich dort anzusiedeln. Heutzutage geschieht Folgendes mit den Flüchtlingen: Wenn sie in Jordanien ankommen, werden sie in einem Interview befragt und bekommen einen Ordner mit Nummer und einigen Unterlagen. Dann gilt es zu warten. Niemand sagt ihnen, wann das zweite Interview stattfinden wird, damit sie den Flüchtlingsstatus bekommen.

Die meisten haben bisher kein zweites Interview erhalten. Und solche, mit denen ein zweites Mal gesprochen wurde, wissen nicht, ob ihr Antrag zur Auswanderung wirklich bearbeitet wird. Mehrfach wurde uns bestätigt, die UNHCR zeige zurzeit kein grosses Interesse daran, sich für die Flüchtlinge einzusetzen. Und so bleibt ihnen nur ein tristes Hoffen und Warten.

Die Instabilität im Nahen Osten hat zum Dilemma dieser assyrisch-christlichen Flüchtlinge beigetragen. Obwohl inzwischen die Stadt Mosul und die Ninive-Ebene weitgehend vom IS befreit wurde, können sie nicht zurückkehren. Es fehlt an Infrastruktur in den früheren Dörfern und Städten. Viele Häuser der Christen wurden zerstört oder von früheren Muslimen-Nachbarn oder bewaffneten Milizen beschlagnahmt. Es fehlt am Wiederaufbau von Kirchen und vielem mehr. Sie befürchten die islamische Gewalt, Vergeltung und Hass. Die irakische Regierung gibt keine Garantie zum Schutz der Christen. Zudem herrscht unter Polizei und Regierung weitverbreitete Korruption.

In Jordanien aber erlaubt es die Regierung den irakisch-assyrischen Christen nicht, legal im Land zu arbeiten. So sitzen sie nun zwangsweise fest, können nicht zurück, dürfen nicht vorwärts und sind auf Unterstützung angewiesen, obwohl viele gern arbeiten würden und ein geregeltes Leben hätten.

Der Herr gebrauchte uns dieses Mal vor allem innerhalb des Stephanus-Teams. Sie alle haben nun bereits eine lange Wartezeit auf ihre Ausreisevisa hinter sich. Auch unter ihnen macht sich Hoffnungslosigkeit breit. Unser Dienst nahm eine weitere Dimension an, indem wir vielen dieser Christen seelsorgerlich helfen konnten. Wir erahnen neue Dinge, welche der Heilige Geist tun wird. So wurde zum Beispiel über die Möglichkeit gesprochen, sich im Jordan taufen zu lassen. Dies könnte Ende April, nach Pessach/Ostern, stattfinden.

Natürlich brachten wir auch finanzielle Ermutigung, zum Beispiel zum Kauf von Medikamenten. Da gab es zum Beispiel eine Frau, die eine Brustoperation durchstanden hatte und nun Geld zum Bezahlen brauchte. Eine andere Familie hat eine behinderte Tochter. Sie mühen sich ständig ab, die passende medizinische Hilfe für sie zu bekommen.

Wir hatten mit mehreren Menschen längere Zeiten der Seelsorge und des Gebets, was zur Ermutigung dienen durfte.

Und hier etwas, das uns ganz besonders freut: Einem der Männer des Stephanus-Teams ging ein Licht auf in Bezug auf Gottes Plan mit Israel. Shmuel hatte ihm einige Bibelstellen aus Hesekiel gezeigt, die sagen, dass Israel in sein Land zurückkehren muss (Hes. 36,24-28 und Hes. 37,11-14). Zuerst war dieser Mann total schockiert. (Man muss wissen, dass die Bevölkerung im Nahen Osten eher negativ gegen Israel eingestellt ist, und auch die dortigen Christen davon infiziert sind.) Nun will er sich noch mehr in solche Schriftstellen vertiefen und sie studieren. In all den Jahren des Christseins und im Besuchen der Kirche war es unserem Freund nicht aufgefallen, dass Israel in sein eigenes Land zurückkehren muss. Nie hatte er einen Pastor darüber predigen gehört. Wir sehen diese Erkenntnis als einen Durchbruch an und beten für unseren nächsten Besuch, wenn wir weiter gemeinsam die Bibel studieren werden.

Liebe Freunde und Spender von Rea Israel, vielen herzlichen Dank für Ihre bisherigen Gebete und Unterstützung für unsere verfolgten Glaubensgeschwister. Danke, wenn Sie ihnen auch in diesem Jahr wieder Hoffnung und Hilfe schenken!

Ein herzliches Schalom und Segensgrüsse aus Jerusalem durch Jesus, unseren König.

Shmuel und Pamela Suran

 Gaben für unsere christlich-irakischen Flüchtlinge werden sehr gern weitergeleitet.  

Bitte helfen Sie uns helfen!
Postkonto 60-730528-4


Oder, wenn Sie uns bei diesem Projekt unterstützen möchten, schicken wir Ihnen gerne weitere Informationen und Einzahlungsscheine resp. Zahlscheine zu. Vielen Dank.


Eine erste Bleibe für Olim
Hier stellen wir Ihnen ein neues Projekt in Haifa vor.
Johannes Barthel, Mitarbeiter bei Ebenezer, schreibt:


Hier sollen künftig Neuankömmlinge in Israel eine vorübergehende Bleibe finden.
Ebenezer Operation Exodus wurde 1991 als christlicher Dienst gegründet. Unser Ziel ist es, jüdischen Menschen bei ihrer Rückkehr nach Israel zu helfen, gemäss unserem biblischen Auftrag (Jesaja 43,5-6 usw.). (www.ebenezer-international.org).

Jetzt hat sich die Möglichkeit ergeben, unsere Aktivitäten zu erweitern, indem wir den Olim (hebr. für jüdische Rückkehrer) nach ihrer Ankunft eine erste vorübergehende Unterkunft anbieten können.

Das Haus steht in diesem Stadtteil.
Ab dem 1. Juli 2019 werden wir ein Haus mieten und ab September voraussichtlich bereits die ersten Einwanderer aufnehmen können.

Unser Haus befindet sich in HaGefen 43, ganz in der Nähe der deutschen Kolonie, und wurde in den 1930er Jahren im arabischen Stil erbaut. Es gehört dem norwegischen Karmel-Institut und befindet sich in der Nähe des Hafens von Haifa.

Das Haus soll für die Neuankömmlinge das erste Zuhause sein. Während 2-3 Wochen können sie sich nach einer eigenen Wohnung umschauen. Notfalls können Gäste auch etwas länger bleiben.

So hübsch sehen unsere Gästezimmer aus.
9 Schlafzimmer, 5 Bäder und 2 Küchen stehen zur Verfügung. Es gibt einen Garten, einen grossen Raum für Versammlungen und Seminare sowie ein grosses Gemeinschaftswohnzimmer, in welchem rund 50 Personen Platz finden. Ebenfalls stehen 2 Waschmaschinen zur kostenlosen Verfügung.

Wir gedenken, bis zu 20 Einwanderer gleichzeitig unterbringen zu können, was uns in einem Jahr ein paar Hundert dieser kostbaren Menschen ins Haus bringen wird.

Zudem planen wir, einen Raum für Secondhand-Kleidung und Haushaltsartikel einzurichten, um den Olim auch damit praktisch dienen zu können.

Markus und Rahel Ackermann aus Deutschland mit ihren sechsKindern treten bald ihre neue Aufgabe in Haifa an.
Als Hauseltern werden wir als Familie im Haus wohnen, unterstützt von Ebenezer-Volontären. Mit der Jüdischen Agentur werden wir sehr eng zusammenarbeiten.

Im Juli und August 2019 sind Renovierungsarbeiten vorgesehen. Es ist uns ein Anliegen, dass wir im Haus auch einen Schutzraum einbauen können. Hierfür haben wir bereits eine israelische Spezialfirma kontaktiert. Alle anderen Arbeiten hoffen wir, mit freiwilligen Helfern erledigen zu können.

 Rea Israel leitet Spenden für das Olim-Haus sehr gern weiter. 

Bitte helfen Sie uns helfen!
Postkonto 60-730528-4


Oder, wenn Sie uns bei diesem Projekt unterstützen möchten, schicken wir Ihnen gerne weitere Informationen und Einzahlungsscheine resp. Zahlscheine zu. Vielen Dank.


Die Deutsche Kolonie in Haifa
Die Deutsche Kolonie in Haifa um 1878
Der deutsche Kaufmann Georg David Hardegg (1812 – 1879) entwickelte einen Plan für die Deutsche Kolonie in Haifa. Er sah vor, zum Meer hin eine Strasse mit fünf Gebäuden an jeder Seite der Strasse (heute: Ben Gurion Avenue) zu bauen, die übrigens mit einer zweiten, die parallel dazu verläuft, bis heute erhalten ist. Sie sollte vor einigen Jahren für ein Einkaufszentrum abgebrochen werden, wurde aber durch die Initiative „zur Erhaltung der alten Kolonie und ihrer Restaurierung“ gerettet und sei die schönste Strasse in Israel.

Im Januar 1869, zwei Monate nach ihrer Ankunft, gelang es den Templern tatsächlich, Siedlungs- und Ackerland zu erwerben.

Die Grundsteinlegung zum ersten Gebäude in der Deutschen Kolonie (HaMoshava HaGermanit) in Haifa, in der Ben Gurion Avenue 11, fand am 23. September 1869 statt. Heute befindet sich die Deutsche Kolonie im westlichen Stadtteil der Innenstadt von Haifa.

Für die Einwanderung ins damalige Palästina wurden nun Grundsätze festgelegt. Nach Hoffmann konnte die Gründung von Kolonien im Heiligen Land nur gelingen, wenn sie straff organisiert wurde. Daher sollte die Einwanderung so gesteuert werden, dass nur diejenigen die Reise antreten durften, die dazu aufgefordert wurden.

So wurde dem im Kirschenhardthof sitzenden Christoph Paulus vorgegeben, wie viele Jerusalemfreunde aus welchen Berufen entsandt werden durften.

Dabei mussten die Auserwählten neben ihrer Berufserfahrung auch Vermögen besitzen, um die ersten Jahre überstehen zu können, denn im Lande selbst erwartete sie eine sehr harte Arbeit. Der Boden musste von den Landwirten erst fruchtbar gemacht werden, ehe man von den Erträgen leben konnte.

Die Handwerker mussten sich zunächst einen Markt für ihre Produkte schaffen. Dabei mussten sie auch die Mentalität der arabischen Bewohner und ihre Sprache erlernen.

In der ersten Phase sollten 10 Familien übersiedeln, darunter sollten 2 Weinbauern, 1 Landwirt, 1 Baumeister und 1 Bodenfachmann sein.

Als im Laufe des Jahres 1869 weitere Siedler aus Württemberg eintrafen und alte seit Jahren unterdrückte Differenzen in religiösen Grundfragen auftauchten, teilte sich die Gruppe.

Christoph Hoffmann reiste mit einer Gruppe nach Jaffa weiter, das heute zu Tel Aviv gehört. Dort hatte man zunächst einige Häuser der verlassenen amerikanischen Siedlung erworben.

Hardegg hingegen blieb in Haifa, wo er das Vorsteheramt ausübte. Unter grossen Mühen gelang der Aufbau der Deutschen Kolonie in Haifa.

1870 zählte die Kolonie 14 Häuser und 120 Siedler und 1873 bereits 38 Wohnhäuser und etwa 250 Siedler. Haifa wuchs zur grössten und bedeutendsten Siedlung der Templer in Palästina. 1873 zählte sie nach Zuzug aus Württemberg, den USA, aus dem Nordkaukasus und anderen Ländern bereits 250 Einwohner.

(Artikel im Internet gefunden, jedoch ohne Angabe des Autors, ausser dass sein Ururgrossvater Christoph Wilhelm Bechtle hiess.)

Ergänzung zum Artikel aus Wikipedia: Die Tempelgesellschaft ist eine um 1850 im Königreich Württemberg entstandene christlich-chiliastische Religionsgemeinschaft. Ihre Siedlungen im heutigen Israel bildeten einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Steinerne Zeugen sind bis heute unter anderem in der sogenannten German Colony in Haifa, in Tel Aviv und in Jerusalem erhalten.


Manya Hermann
Geboren: 1933
Geburtsland: Bessarabien


Während des Krieges
Als Manya gerade acht Jahre alt war, wurde die jüdische Bevölkerung Rumäniens von Soldaten nach Transnistrien* deportiert. „Soldaten kamen mitten in der Nacht, um uns zu deportieren. Sie schrien uns an: „Schnell! Schnell!“ erinnert sich Manya. „Ich sah die Soldaten, aber ich hatte keine Ahnung, was Krieg wirklich bedeutet. Wir schlossen unsere Haustüre zu, und dann mussten wir laufen, laufen… Unter uns waren kleine Kinder und alte Leute.“

Manya hatte keine Geschwister. Sie musste mit ihren Eltern und tausenden weiteren Juden und Zigeunern auf diesen schrecklichen Todesmarsch. Diejenigen, die nicht laufen konnten, wurden erschossen oder einfach liegen gelassen, wo sie starben. Manya berichtet: „Wir mussten drei Monate lang laufen. Die Soldaten haben viele von uns erschossen, und viele andere starben an den Strapazen. Ich war sehr schwach: Einmal war ich völlig am Ende. Ich setzte mich hin und sagte: ´Ich kann nicht mehr.’ Da kam ein Soldat und wollte mich töten. Doch meine Mutter warf sich zu Füssen des Soldaten und bettelte um mein Leben: ‚Bitte nehmen Sie mir nicht mein einziges Kind!’“

Auf wundersame Weise änderte sich die Situation, und der Soldat schoss nicht. Dafür nahm Vater das Kind auf seine Schultern und trug es. Sie hatten nur wenig zu essen und zu trinken, und als sie durch ein Dorf kamen, bat ihr Vater um ein wenig Wasser für seine Tochter. Manya sagt, „Ich bin nun 80 Jahre alt, aber ich kann mich noch genau daran erinnern, als wäre es gestern gewesen, dass mir jemand eine Flasche Wasser gab.“ Manyas Mutter war zu der Zeit schwanger, und Manya, die das nicht verstand, fragte, warum ihre Mutter immer dicker wurde, wenn es doch nichts zu essen gab.

Nach einem langen Marsch von zwei Monaten brach plötzlich der Winter herein. Es schneite. Und es war die Zeit, wo Manyas Mutter ihr Kind zur Welt bringen sollte. Manya erinnert sich, dass – wie durch ein Wunder – ein Mann mit einem Pferdewagen vorbeikam, die Familie auf seinen Wagen nahm und zu sich nach Hause fuhr. Nachdem ihre Mutter entbunden hatte, nahm die Frau dieses Mannes ihr das Kind weg und sagte, es sei gestorben. Später erfuhren wir jedoch, dass es gelebt hatte. Manya sagt: „Vielleicht lebt mein Geschwister heute noch! Aber es war gut, dass die Leute es an sich genommen haben, denn nur so hatte es eine Überlebenschance.“

Wer die Todesmärsche überlebte, musste auf staatlichen Bauernhöfen hart arbeiten, und nur wer arbeitete, bekam zu essen. Manya erinnert sich: „Immer wieder brachte Vater meiner Mutter und mir etwas Essbares, wenn er irgendetwas ergattern konnte. Ich war ständig krank. Ich hatte Typhus, hohes Fieber und Keuchhusten, wie so viele andere auch. Es gab keine Toiletten, Matratzen oder Decken. Viele starben durch Kälte und Krankheiten oder wurden einfach erschossen.“

Nach dem Krieg
Wie durch ein Wunder überlebte nicht nur Manya, sondern auch ihre Eltern diese schreckliche Zeit. 1951 machten sie Alijah und wanderten nach Israel aus. Manya ist Künstlerin und Schriftstellerin. Sie schrieb drei Bücher. In einem Buch erzählte sie ihre Lebensgeschichte und illustriert sie. Es ist sogar geplant, ein Theaterstück daraus zu machen.

Heute
Anfang 2013 zog Manya in das Haifa-Heim ein und ist dort sehr glücklich. Schon vorher nahm sie an den Aktivitäten für die Holocaustüberlebenden teil. Beim nationalen Schönheitswettbewerb für Holocaustüberlebende im Jahr zuvor hat Manya den 2. Preis gewonnen.

Quelle: Internationale Christliche Botschaft Jerusalem


rea Israel
Christliches Hilfswerk
für Israel

Wir machen, was wir sagen, und wir sagen, was wir machen.