Rundbrief Nr. 160
Dezember 2018


Galinas Zahngeschichte
Galina
Galina arbeitet als Chef-Sekretärin im Hotel Isrotel Ganim, in En Boqeq, am Toten Meer.

Jahr für Jahr erwartet sie mit Freude unsere Reisegruppe, und während unseres Aufenthalts kommt sie jeden Morgen beim Frühstück vorbei und fragt die Teilnehmer nach ihrem Ergehen und ob sie irgendwelche Hilfe brauchen. Ihre Betreuung ist beispielhaft. Sie spricht gut Deutsch, und man spürt ihr ehrliches Interesse, zum Wohl der Gruppe beizutragen.

Galina ist uns in vielen Dingen behilflich und sorgt u.a. für die Saalreservation unserer Vorträge, ist stets mit Rat und Tat zur Stelle und begleitet neuerdings auch den Ausflug in die Wüste. Dort hilft sie bei der Organisation und der Übersetzung mit.

Kurt Wenger begleitet seit vielen Jahren Reisegruppen in verschiedene Länder – doch eine solche Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ist ihm noch nirgendwo begegnet. Galina ist einmalig!

Der Abschied von der Gruppe, wenn die Teilnehmer wieder zurück in die Schweiz reisen, fällt Galina jeweils schwer, und manchmal ist sie fast den Tränen nahe. Sie erwähnte schon, dass sie jeweils die Tage zähle, bis Kurt Wengers Gruppe wiederkommt!

Nun haben wir herausgefunden, dass Galina eine grosse Not hat: Ihre Zähne brauchen eine dringende Reparatur. Und diese kostet 90'000 Schekel (= CHF 25'000.-)

Galinas Zahngeschichte ist unglaublich. Eingriffe, Narkosen und OPs waren bis anhin nötig, und noch ist die Geschichte nicht ausgestanden. Auf unsere Anfrage hin schrieb sie uns Folgendes:

«Mein ganzes Leben lang, seit der Kindheit, war ich bei Zahnärzten. Schon in jungen Jahren mussten Zähne gezogen werden, Zahnkronen wurden erstellt. Später bekamen einige Kronen Löcher oder fingen darunter an zu übeln. Nach weiteren Jahren mussten alle verbleibenden Zähne gezogen und Implantate eingesetzt werden. Für die Implantate braucht es aber eine bestimmte Höhe der Kieferknochen. An den Stellen der früheren oberen Zähne werden Knochen verdünnt. Im Oberkiefer muss ich ein Sinus-Lifting machen lassen, und die Kieferknochen werden mit Ersatzknochenteilen gefüllt. Im Unterkiefer ist dies nicht nötig, da die Knochenhöhe reicht. Die Behandlung ist noch nicht abgeschlossen. Insgesamt dauert sie etwa ein Jahr und wird – sofern nicht noch Zusätzliches hinzukommt – etwa 90'000 Schekel kosten (= CHF 24’400.-). Ich zahle jeden Monat etwas daran und habe bisher 48'000 Schekel überweisen können, also fehlen mir noch 42'000 Schekel»

Als alleinerziehende Mutter hat sie Mühe, diesen Betrag für ihre Zahnreparatur aufzubringen. Die Löhne in Israel sind nicht hoch. Netto erhält sie keine CHF 2000.- ausbezahlt. Ihr ehemaliger Mann verweigerte bis vor kurzem die Zahlung der Alimente, hat nun letzthin aber doch 25'000 Schekel überwiesen, was Galina bereits an den Zahnarzt weitergeleitet hat. Somit verbleiben noch 42'000 Schekel (= CHF 11'400.-) zu zahlen.

Im Hotel und zu Hause ist sie sehr gefordert. Sie arbeitet pflichtbewusst 100 % und mehr im Hotel. Galina bedauert sich nicht, doch diese grosse Zahnbehandlung muss sie jetzt einfach über sich ergehen lassen.

Nun fragen wir Sie, liebe Leserin, lieber Leser, ob Sie die Möglichkeit sehen, für Galinas grosse Zahnreparatur mit einer Spende zu helfen, damit die Behandlung weiter durchgeführt und auch bezahlt werden kann. Der Herr sei Ihr treuer Vergelter!

Zusammengestellt von Silvia Pfeil

 Gaben an Galinas Zahnreparatur leiten wir sehr gern weiter. 

Bitte helfen Sie uns helfen!
Postkonto 60-730528-4


Oder, wenn Sie uns bei diesem Projekt unterstützen möchten, schicken wir Ihnen gerne weitere Informationen und Einzahlungsscheine resp. Zahlscheine zu. Vielen Dank.


Weihnachtsaktion Kinderkleider
Pastor Najeeb und Elizabeth Atteih
Elizabeth Atteih trägt es auf dem Herzen, den christlichen Flüchtlingskindern in Jordanien auch dieses Jahr zu Weihnachten eine Freude zu bereiten. Dazu möchte sie ihnen Kleidungsstücke schenken.

Wie macht sie das? Elizabeth nimmt mit einem Kleidergeschäft in Amman Kontakt auf und erklärt den Plan. Während eines Tages kommen um die 130 Kinder in Begleitung ihrer Eltern gestaffelt ins Geschäft, jede Stunde eine neue Gruppe. Dort darf sich jedes Kind ein bis zwei Kleidungsstücke aussuchen (bis maximal Fr. 60.-). Elizabeth verbringt den ganzen Tag dort, um die Kinder zu empfangen und zu beraten.

Die Begeisterung war schon letztes Jahr riesig!
Gerne darf man diese Aktion finanziell unterstützen!
Die Kosten für 130 Kinder belaufen sich auf rund Fr. 7'500.-


Weihnachtsaktion Lebensmittelpakete
Pastor Najeeb und Elizabeth Atteih
Anstelle einer gemeinsamen Weihnachtsfeier mit einer feinen Mahlzeit möchten Elizabeth und Najeeb Atteih dieses Jahr den geflohenen syrischen Christenfamilien zu Weihnachten ein Lebensmittelpaket überreichen.

Die Pakete dürfen dann im Gemeindelokal (?) abgeholt werden.

Ein gut ausgewogenes Paket, das auch etwas Pouletfleisch enthält, kostet rund Fr. 40.-. Werden um die 200 Familien damit beglückt, kommt das auf Fr. 8'000.- zu stehen. Wer möchte, darf dieses Projekt unterstützen.

 Gaben für die Weihnachtsaktion Kinderkleider oder Weihnachtsaktion Lebensmittelpakete werden sehr gern weitergeleitet. 

Bitte helfen Sie uns helfen!
Postkonto 60-730528-4


Oder, wenn Sie uns bei diesem Projekt unterstützen möchten, schicken wir Ihnen gerne weitere Informationen und Einzahlungsscheine resp. Zahlscheine zu. Vielen Dank.


Gestricktes macht Freude
Mit viel Liebe haben fleissige Hände auch dieses Jahr wieder wunderschöne Stricksachen angefertigt, die wir im Herbst mit nach Israel sowie im November ans Tote Meer mitnehmen durften.

Palästinensische Kinder halten das Bild der Terroristin Dalal Mughrabi, die 1978 eine Terrorgruppe leitete, die 38 Israeli tötete.
Dort konnten wir sie für Bedürftige in Israel weitergeben sowie an christliche Flüchtlinge in Jordanien. Unsere Kontaktperson Elizabeth Atteih nahm mit Freude von diesen mollig warmen Sachen für «ihre» Flüchtlinge mit. Dort wird an Weihnachten die Freude wieder gross sein, ja, man staunt, was sich mit bunter Wolle alles stricken lässt!

Ein herzliches DANKESCHÖN den fleissigen Schweizer Frauen für ihren sehr geschätzten Liebesdienst!

Silvia Pfeil


Israel – einzigartig und besonders
Lange Zeit hatten wir darauf hingefiebert – auf unsere erste Reise nach Israel! Und wir wurden nicht enttäuscht. Was durften wir alles erleben! Die hügelige Landschaft von Galiläa. Die eindrückliche Fahrt durch Wüstengebiet, hinauf nach Jerusalem.

Das Jordantal mit unzähligen Dattelpalmen, Avocado-, Mango- und Zitrusplantagen. Die düstere Stimmung auf dem Golan, bedingt durch den herannahenden Regen. Die öde Landschaft entlang des Toten Meeres – und mittendrin sprudelnde Süsswasserquellen! Die fruchtbare Jesreel-Ebene.

An manchen Ausflügen wurde vor Ort die Bibel aufgeschlagen, was wir sehr schätzten. Unser einheimischer Führer Dany entführte uns immer wieder in die biblische Vergangenheit der Schauplätze – und dies auf äusserst spannende Weise. Er zeigte uns Zusammenhänge auf, die uns auch die Gegenwart Israels besser verstehen liessen. Wir hätten endlos weiter zuhören können!

Familie Taschi ist begeistert vom vielseitigen Land Israel.
Unsere Bleibe für die ganze Zeit, das tolle Kibbuz-Hotel Maagan, liegt direkt am See Genezareth! Die sehr schöne und grosszügig gestaltete Anlage mit Pool und vielen Palmen lud zum Entspannen und Verweilen ein. Morgens und abends erwartete uns ein reichhaltiges Buffet! Die Küche war orientalisch geprägt – sehr lecker und schmackhaft! Nebst Humus, Tabulé, Couscous, gefüllten Kabisblättern und Kichererbsen gab es auch Spaghetti, panierte Schnitzel und sogar Pommes! Dies nicht nur zur Freude der Kinder... Wunderbar schmeckten auch die Mittagessen. Vierzehn (!) verschiedene Salate, von Shraga, unserem super Busfahrer, selbst zubereitet!

Wir waren als Familie mit drei Kindern unterwegs und reisten das erste Mal in einer Gruppe. Dies erlebten wir sehr positiv. Es war ein angenehmes, harmonisches Miteinander von Erwachsenen und Kindern. Das Reisen als Gruppe im Bus vermittelte ein Gemeinschaftsgefühl. In besonderer Erinnerung bleiben die morgendlichen Kurzandachten gleich zu Beginn der Fahrt. Sie gaben jeweils die richtige Ausrichtung für den Tag. Sehr dankbar blicken wir auf eine eindrückliche, wunderschöne und sehr intensive Zeit im Land der Bibel zurück.

Stefanie Taschi


Obdachlosenarbeit Tel Aviv
Eine Arbeit unter Obdachlosen, Alkoholikern, Drogenabhängigen, Prostituierten und Armen.
Internationaler Direktor: George Wehnes, USA, Leiter in Israel: Genady Michaely
Ziel: Den allmächtigen Gott zu ehren, indem biblisch fundierte Wiederherstellungsprogramme für bedürftige Männer und Frauen im Land Israel entstehen.

George Wehnes berichtet:

Liebe Freunde

Neuigkeiten betreffs des Erwerbs eines bebauten Grundstückes

In unserem letzten Rundbrief berichteten wir darüber, dass wir kurz vor dem Erwerb unseres eigenen Gebäudes stehen. Nun aber hat sich diese Tür geschlossen! Einerseits wollen Nachbarn keine Drogen- und Alkoholabhängige in ihrer Nähe haben, andererseits macht sich einmal mehr der Widerstand gegen messianisch Gläubige in Israel bemerkbar.

Es scheint fast so, als ob der Besitzer des Grundstückes seinen Verkauf an uns zurückzog, als er erfuhr, dass wir an Jesus, den Messias, glauben.

Gene, unser Direktor der Reha-Arbeit in Israel, ist der Ansicht, dass wir diese Sache nicht gerichtlich angehen, sondern uns nach etwas anderem umsehen wollen. Schliesslich wollen wir nicht eine Spaltung zwischen uns und den zukünftigen Nachbarn fördern. Hier geht es um einen geistlichen Kampf. Bitte beten Sie für diese Sache. Wir glauben, dass, wenn sich eine Tür schliesst, der Herr eine andere öffnet und dies zu seiner Zeit, wie Er will.

Im Folgenden möchten wir Ihnen nun Mikhails Lebensgeschichte weitergeben. Er durchläuft zurzeit die Männer-Reha in Ashdod und darf Wiederherstellung erleben.

Wir werden nie müde, Ihnen Geschichten dieser Männer zu berichten, und wie der Herr die Reha-Arbeit gebraucht.


Pastor Najeeb und Elizabeth Atteih
Mikhail erzählt:

Ich wurde am 15. August 1970 in Arkhangelsk, Nordrussland, geboren. Meine Mutter war Ingenieurin und mein Vater ein Modeschöpfer für Schuhe. Sie kümmerten sich wenig um meine Erziehung. Daher war ich mir selbst überlassen und verbrachte die Zeit mit meinen Hooligan-Freunden. Ich nahm an Strassen-Krawallen teil und wurde bereits mit elf Jahren zum ersten Mal festgenommen. Die Eltern bezahlten meine Geldstrafe.

Die Schule interessierte mich nicht. Lernen machte mir keinen Spass. Viel lieber trieb ich mich mit meinen Freunden herum, die auch so dachten wie ich. Zwar ging ich nach der Grundschule zur Weiterbildung ans Forstwirtschafts-College, brach jedoch diesen Lehrgang brach ab und machte stattdessen eine Ausbildung zum Armee-Fahrer.

Als ich 1991 aus der Armee zurückkehrte, fing ich an, Marihuana zu rauchen. Damit begann mein Dro-genleben. Ein Jahr später versuchte ich es mit Opium und nahm es regelmässig. Zur gleichen Zeit be-gann ich, in grossen Mengen jegliche Art von Alkohol zu trinken.

1996 lernte ich ein Mädchen kennen, und 1999 heirateten wir. Ich hörte mit den Drogen auf und be-gann zu arbeiten. Zwar trank ich immer noch Alkohol, doch in geringeren Mengen. Im selben Jahr wanderten wir nach Israel aus, und 2000 wurde unser Sohn Semyon geboren. Welch ein Segen!

Aber 2001 fiel ich ins alte Muster zurück: Drogen und viel Alkohol. Als ich einmal mehr betrunken nach Hause kam, schlug ich meine Frau so sehr, dass ich festgenommen wurde und für vier Jahre ins Ge-fängnis kam. In dieser Zeit nahm ich keine Drogen.
2005 wurde ich entlassen und fand eine Arbeitsstelle. Aber dort war ein Mann, der bot mir schwere Drogen an (Heroin und Kokain). Zusätzlich rauchte ich Haschisch und trank viel Alkohol. Diese Gifte ruinierten mich, und doch brauchte ich ständig höhere Dosen. Es kam, wie es kommen musste – ich verlor meine Arbeit.

Ein Mitgefangener aus meiner Gefängniszeit schlug mir vor, nach Südamerika zu reisen, um uns Koka-in zu beschaffen und damit zu handeln. Doch nicht lange, und ich landete wegen Dealens erneut im Gefängnis, diesmal für sechs Jahre. Und weil ich Besitz von Falschgeld und Waffen war, bekam ich ein Jahr zusätzlich aufgebrummt. Auch in der Haft nahm ich Methadon ein.

2013 wurde ich entlassen. Eines Tages geriet ich an den Ort, wo religiöse Menschen Mahlzeiten aus-teilten. Dort wurde mir von Jesus erzählt und von der Möglichkeit, drogenfrei zu werden. Halbwegs war ich interessiert und trat schliesslich ins Reha-Zentrum in Ashkelon ein. Doch nach drei Monaten ver-liess ich es wieder. Erneut wandte ich mich den schädlichen synthetischen Drogen, dem Wodka und Bier zu. Weil ich keine Bleibe mehr hatte, verbrachte ich die Nächte in einer öffentlichen Schlafstelle. Meine Lebenskurve sank und sank.

Versuche, erneut eine Arbeitsstelle zu finden, schlugen fehl. Zudem sollte ich wegen einer Schlägerei mehrmals vor Gericht erscheinen. Zu den letzten Terminen erschien ich nicht mehr. So suchte mich die Polizei. Doch als sie mich fand und festnehmen wollte, wehrte ich mich und verletzte dabei einen Poli-zisten. Dies brachte mir erneut zwei Jahre Gefängnis ein. Auch dort konsumierte ich meine syntheti-schen Drogen.

2016 kam ich frei und verbrachte die Nächte wie zuvor in einer Nachtschlafstelle. Was ich an Geld hat-te, ging in Wodka & Co. drauf. Konnte es mit meinem Leben noch weiter abwärts gehen?

Im Februar 2018 keimte der Wunsch in mir, von dem Zeug loszukommen. Immerhin brachte ich es fertig, von schweren Drogen zum Rauchen von Marihuana zu wechseln. Aber ich realisierte, dass ich als Obdachloser allein einen völligen Ausstieg nicht schaffen würde. Diese Einsicht brachte mich zum Reha-Zentrum «Rescue in Israel»

Dank der Fürsorge, die ich dort erfahren durfte und dank den wertvollen Gesprächen mit den Leitern, schaffte ich den Ausstieg. Ich merke, dass Gott mich liebt und bin im Prozess, mein Leben Jesus Christus anzuvertrauen.

Im Unterricht helfen mir die Lehrer zu einem grösseren Verständnis über Gott, und wie ich mit den Suchtgelüsten umgehen kann. Ich habe mit dem Rauchen aufgehört und beschäftige mich stattdessen mit Sport, Fitness und Tischtennis. Ich lese viel christliche Literatur und in der Bibel. Ich glaube wirklich, dass Gott mir hilft, von der Sucht völlig freizukommen. Bitte, beten Sie für mich!

Mikhail


Schlusswort des internationalen Direktors George Wehnes

Dank Ihrer Hilfe können wir dieses Reha-Zentrum führen, wo Mikhail Hilfe bekommt. Vielen Dank! Bitte beten Sie für ihn, so wie er es wünscht. Aus Erfahrung wissen wir, dass er sich in einem Kampf befin-det und ein Rückfall schnell passieren kann. Doch der Herr ist in der Lage, ihn in allen Belangen zum Sieg zu führen. Wir beten, dass Mikhail standhaft bleibt, die ganze Waffenrüstung Gottes anzieht und sich durch die Begleitpersonen helfen und beraten lässt.

 Gaben für die Obdachlosenarbeit werden gern entgegengenommen und weitergeleitet. 

Bitte helfen Sie uns helfen!
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Haifa-Heim von ICEJ – Das Altersheim für Holocaustüberlebende
(International Christian Embassy Jerusalem / Internationale Christliche Botschaft Jerusalem)

Unsere Projekte unterstützen hilfsbedürftige Menschen in Israel, insbesondere Holocaustüberlebende. Wenn Sie in eines unserer Projekte investieren, geben Sie nicht nur Geld. Sie schenken Hoffnung.

Ihre Vergangenheit war schrecklich. Helfen Sie mit einer Patenschaft für einen Lebensabend in Würde.

In unserem Heim werden die Bewohner liebevoll betreut. Sie gehören zu den noch etwa 160’000 Holocaustüberlebenden in Israel (Stand 2018), von denen ca. 40’000 unterhalb der Armutsgrenze leben. Viele sind nicht nur verarmt, sondern oft auch krank oder einsam. Durch ihre schrecklichen Erfahrungen während der Judenverfolgung, besonders in den Konzentrationslagern, wurden einige so schwer traumatisiert, dass sie keiner geregelten Tätigkeit nachgehen konnten. Gesundheitliche Probleme, oft zurückgehend auf die Mangelernährung während ihrer Kindheit und Jugend, ziehen hohe Medikamentenkosten nach sich – ein weiterer Grund für Altersarmut.

Das Haifa-Heim bietet die wunderbare Gelegenheit, rund siebzig Überlebenden einen Lebensabend in Würde und Gemeinschaft zu ermöglichen. Sie spüren dankbar, dass sie und ihre Lebensgeschichten nicht vergessen werden.

Bitte unterstützen Sie dieses wichtige Projekt! Die Zeit, in der wir diese verletzten Menschen noch segnen können, läuft ab. «Das Haifa-Heim ist eines der fröhlichsten Altersheime, die ich erlebt habe», erzählt ICEJ-Präsident Dr. Jürgen Bühler. «Was war, können wir nicht wieder gut machen. Aber wir können ihre Herzen erreichen, Segen und ein Stück Heilung bringen.»

WIE ALLES BEGANN
Zum Jahresende 2009 trat Schimon Sabag, Direktor der israelischen Hilfsorganisation „Helfende Hände“, an die ICEJ (Internationale Christliche Botschaft Jerusalem) heran und bat sie um Hilfe. In seiner Suppenküche war ihm aufgefallen, dass auch immer wieder Menschen mit auf dem Arm eintätowierter Nummer bei der Essensausgabe anstanden. Um ihrer Not abzuhelfen, richtete die ICEJ in Zusammenarbeit mit «Helfende Hände» 2010 in Haifa das Altersheim für bedürftige Holocaustüberlebende ein. «Am Anfang dieses wichtigen Projektes stand ein Wunder», berichtet Dr. Jürgen Bühler. «Innerhalb von nur acht Tagen kam nach einem Spendenaufruf in Deutschland und Österreich die gesamte benötigte Summe für das erste Haus zusammen!» Das Heim ist inzwischen zu einem Wohnkomplex aus zehn Häusern angewachsen, zu welchem komplette Gebäude sowie einzeln angemietete Wohnungen gehören. Es trägt sich bis heute allein durch Spenden unserer Freunde und Unterstützer.

EIN RICHTIGES ZUHAUSE
Mit viel Sorgfalt und Einsatz sind Wohnungen und Räume renoviert und in schöne Wohneinheiten umgewandelt worden. Dabei wurden auch Pflegeerfordernisse berücksichtigt. Untersuchungen zeigen, dass die Auswirkungen traumatischer Erlebnisse, die Jahre zurück liegen, mit dem Alter nicht schwächer werden, sondern sich intensivieren; verschüttete Erinnerungen kommen zurück. Mit fortschreitendem Alter suchen die Überlebenden immer stärker die Gesellschaft von Schicksalsgenossen, die durch dasselbe Leiden hindurchgegangen sind. Das gibt ihnen emotionalen Halt. Israelische Fachkräfte wie Sozialarbeiter, Psychologen und Ärzte sowie viele freiwillige Helfer bieten den Überlebenden betreutes Wohnen, medizinische Versorgung und eine herzliche Familienatmosphäre. Yudit Setz, stellvertretende Direktorin der ICEJ-Sozialabteilung, ist im Sommer 2018 extra nach Haifa umgezogen, um dieses besondere Projekt noch besser betreuen zu können. «Dieses Heim liegt uns sehr am Herzen», erklärt Yudit. «Jetzt können wir noch etwas für die Überlebenden tun und sie segnen, aber nicht mehr lange.»

WOHNEN UND LEBEN IN GEMEINSCHAFT
Das Heim ist zu einer Begegnungsstätte geworden, die auch anderen Holocaustüberlebenden aus dem Grossraum Haifa einen Ort der Gemeinschaft bietet. Hier wird ihnen Aufmerksamkeit geschenkt, sie erhalten warme Mahlzeiten und kostenlose medizinische Versorgung. Jede Woche werden verschiedene Aktivitäten angeboten: Basteln und gymnastische Übungen sowie Karten- und Brettspiele, kulturelle Aktivitäten, Computerkurse und Bibelstunden über die hebräischen Schriften der Bibel. Einmal im Monat werden alle Geburtstagskinder des Monats gefeiert – diese Feste gehören wie die Feier des Schabbats jeden Freitagabend zu den Lieblingsevents der Bewohner.

DAS PATENSCHAFTS-PROGRAMM DER ICEJ
Leider gibt es eine lange Warteliste. Hunderte hilfsbedürftige Holocaustüberlebende warten auf einen Platz im Heim. Um dieser massiven Not begegnen zu können, hat die ICEJ das Patenschafts-Programm ins Leben gerufen. Im ICEJ-Magazin «Wort aus Jerusalem» berichten wir regelmässig über das Leben im Haifa-Heim. Jeder Pate erhält zudem den Lebensbericht und ein Foto eines Bewohners. Paten dürfen «ihren» Überlebenden gerne Grusskarten schicken. Diese sind sehr beliebt, bitte rechnen Sie aber nicht mit einer Antwort. «Ich liebe sie, ohne sie zu kennen!», sagt Esther, als sie eine Postkarte ihrer Patin an sich drückt. «Nachdem ich Familienangehörige im Holocaust verloren habe, bedeutet es mir so viel, dass Menschen an uns denken.»

BESUCH IM HAIFA-HEIM
Im Haifa-Heim freut man sich immer über Besuch. Die Bewohner haben schon Gäste aus allen Teilen der Welt willkommen geheissen, christliche Freunde, aber auch israelische Schulklassen, Soldaten oder Politiker. «Danke, dass ihr hier seid!», begrüsst Schimon Sabag, Direktor des Haifa-Heimes, die Besucher. «Sagt bitte auch denen zuhause, die das Heim unterstützen, herzlichen Dank. Wenn wir als Juden und Christen zusammenarbeiten, können wir etwas so Wunderbares wie dieses Zuhause für Holocaustüberlebende aufbauen.» Für Unterstützer des Haifa-Heimes besteht die Möglichkeit, nach vorheriger Absprache mit der ICEJ-Sozialabteilung das Haifa-Heim zu besuchen. Bitte schreiben Sie an: info@icej.de Unsere ICEJ-Mitarbeiterinnen Yudit Setz und Jannie Tolhoek kümmern sich darum, dass auf die Bedürfnisse der Heimbewohner Rücksicht genommen wird und bereiten individuelle Besuchsprogramme vor.

EIN BESONDERES MUSEUM
Die Erinnerung an die Lebensgeschichten von Bewohnern des Heimes wird im Museum vor Ort wach gehalten. «Der Museumsbesuch ging uns unter die Haut. Wir sind sehr berührt von dem Persönlichen. Gezeigt wurde, was die Bewohner erlebt haben», berichten Marion und Reinhard K. aus Deutschland. «Das Museum im Heim ist ganz toll, ein persönliches Museum mit den Geschichten der Bewohner. Es ist ein Zeugnis für die Zukunft, auch über ihr Leben hinaus», findet Heike S., ebenfalls zu Besuch aus Deutschland. «Den Holocaustüberlebenden wird Würde gegeben.»

REGELMÄSSIGE UNTERSTÜTZUNG DES HAIFA-HEIMES
Christen, die ihrer Liebe durch ganz praktische Unterstützung Ausdruck verleihen möchten, können dies durch eine monatliche Spende („Patenschaft“) tun. Jeder Betrag ist willkommen. Das ICEJ-Patenschafts-Programm zeigt den Überlebenden zudem ganz praktisch, dass wir sie nicht vergessen. Eine monatliche Patenschaft für das Haifa-Heim trägt dazu bei, die laufenden Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Medikamente für alle Bewohner zu decken. Da diese je nach ihren Verhältnissen nichts oder nur einen geringen Beitrag für ihre Unterbringung und Verpflegung zahlen können, ist das Projekt auf regelmässige Unterstützung angewiesen.

Die Heimbewohner erhalten keine direkte finanzielle Zuwendung bzw. Auszahlung. Ihre Spenden fliessen in einen Fonds, aus dem die Bewohner versorgt werden. Für einen Heimbewohner werden monatlich rund CHF 2250.- benötigt. Vielen Dank, dass Sie dieses Projekt mit Ihren grosszügigen Spenden und treuen Gebeten unterstützen!


Nachwort von Kurt Wenger: In diesem Rundbrief kommen zwei Heimbewohnerinnen und ein Heimbewohner zu Wort, weitere sieben dieser bewegenden Geschichten folgen in den nächsten Rundbriefen.

 Gaben oder Patenschaften für das Haifa-Heim werden sehr gern weitergeleitet.  

Bitte helfen Sie uns helfen!
Postkonto 60-730528-4


Oder, wenn Sie uns bei diesem Projekt unterstützen möchten, schicken wir Ihnen gerne weitere Informationen und Einzahlungsscheine resp. Zahlscheine zu. Vielen Dank.


Esther Lieber
Pastor Najeeb und Elizabeth Atteih
Geboren: 1937
Geburtsland: Polen

Während des Krieges
Ich wurde 1936 oder 1937 in Polen geboren, um den 25. Dezember herum, das hat mir meine Schwester Rachel erzählt, die mit mir den Krieg überlebte. Unser Nachname war Bierenbaum. Mein Vater hiess Elieser und meine Mutter Rebecca. Ich hatte Schwestern: Rachel, Miriam, Katija, Clara und auch Brüder. Meine älteren Schwestern konnten zur Schule gehen, doch dann mussten sie es aufgeben. Meine jüngere Schwester Clara und ich konnten gar nicht zur Schule gehen. Als der Krieg ausbrach, zog unsere Familie zu den Grosseltern auf das Land. Diese hatten Felder, eine kleine Wirtschaft, Hühner und Kühe.

Vor und während des Krieges wusste mein Vater, was passierte und was die Deutschen den Juden antaten. Ein Onkel von mir war Tischler, und die Deutschen zwangen ihn, ein Ghetto zu bauen, auch die Räume und Duschen, wo sie die Juden töteten. Mein Onkel konnte fliehen und erzählte die Geschichte meinem Vater. Mein Vater war ein Reiter in der Armee, er liebte Pferde sehr.

An einem Sabbatmorgen, als das Essen auf dem Ofen stand, schickte die deutsche Armee Soldaten zu unseren Häusern. Mein Vater weckte uns Kinder und schrie: “Nehmt mit, was Ihr könnt und flieht schnell!“

Ich sprang aus dem Bett und rannte mit meiner grossen Schwester Miriam los. Sie war damals neun und ich vier. Es war ein nebliger Tag, und wir konnten nichts sehen. Ich war wie in einem Schock. Meine Schwester hielt mir den Mund zu, weil ich vor Angst laut weinte. Sie sagte, wir könnten meinetwegen getötet werden. Wir liefen auf einem Weg, am Rande sahen wir wilde Erdbeeren. Wir hielten an, um sie zu pflücken, weil wir nicht wussten, was uns bevorstand. Doch plötzlich tauchte unser Vater aus dem Nebel auf und sagte: “Was macht Ihr da?“

Wir mussten schnell ein Feld überqueren, um ein Waldstück zu erreichen. Doch überall waren Soldaten, die von allen Seiten auf uns schossen. Als ich die Schüsse hörte, schrie ich: „Sie bringen unseren Vater um!“ Meine Schwester hielt mir den Mund zu und sagte: „Wenn du schreist, werden sie auch uns holen!“ Mein Vater wurde tatsächlich angeschossen, doch meine Schwester und ich erreichten das Waldstück. In der Ferne sahen wir ein grosses Feuer.

Später fragten meine Mutter und ein Onkel einen Bauern nach meinem Vater. Dieser erzählte, Vater sei schwer verwundet gewesen, hätte aber noch gelebt. Da schoss ihm einer der Deutschen eine Kugel in den Kopf und befahl dem Bauern, den Leichnam im Wald zu vergraben. Sie verboten ihm aber, den Ort zu markieren.

Die Deutschen töteten auch unseren Grossvater und zwei unserer Onkel. Fünfundvierzig Jahre später kam ich nach Polen zurück und traf diesen Bauern wieder. Doch er konnte mir den genauen Platz nicht mehr zeigen, wo er meinen Vater begraben hatte.

Wir blieben bis nach Einbruch der Dunkelheit im Wald. Mutter beschloss, rasch nach Hause zu gehen und ihren Schmuckkasten und den Topf auf dem Ofen zu holen, so dass wir etwas essen konnten. Es gab Fleisch, Kartoffeln und weisse Bohnen. Alles war zwar angebrannt, aber wir genossen es trotzdem. Als meine Mutter zurückkam, hatte sie schwere Brandwunden an den Beinen. Wie wir am nächsten Tag feststellten, war unser Dorf, Katy, und somit auch unser Haus in Brand gesteckt worden. Die Heilung dauerte lange. Meine fünfzehnjährige Schwester trug sie auf dem Rücken, wenn wir weiterzogen oder sie auf die Toilette musste.

Jede von uns baute sich einen kleinen Unterschlupf wie eine Hundehütte. Wir machten uns einen Teppich und eine Decke aus Blättern. In der Nacht gingen wir auf ein Feld, um Kartoffeln und Karotten zu suchen. Mehr gab es nicht. So lebten wir neun Monate lang. Im Wald gab es Partisanen, die uns halfen und uns manchmal etwas zu essen gaben.

Im kühlen Herbst sassen wir um ein kleines Feuer, um unsere Hände und Füsse zu wärmen. Eines Tages tauchten deutsche Soldaten auf. Sie waren hinter den Partisanen her. Obwohl sie sahen, dass hauptsächlich Kinder um das Feuer sassen, zielten sie mit dem Gewehr auf meine Mutter, die sich gerade meine kleine Schwester auf die Schultern setzen wollte, um mit ihr schneller fliehen zu können. Doch sie wurde erschossen, fiel zu Boden und starb.

Das Wort „Mutti“ fehlt in meinem Sprachschatz. Wenn immer ich an meine Mutter denke, fühle ich mich wie ein kleines Kind. Meine zweite Schwester wurde ebenfalls getötet. Meine Schwester Rachel und ich konnten weglaufen, doch sie wurde an Schulter und Bein angeschossen. Die Soldaten waren dicht hinter uns. Als Rachel hinfiel, sagte sie zu mir: ‚Lauf du! Mich können sie töten!‘ Aber ich sagte: ‚Sie können mich auch töten. Ohne dich werde ich nicht weggehen. Was soll ich alleine machen?‘ So rappelte sich meine Schwester wieder auf. Tatsächlich konnten wir entkommen und erreichten einen Fluss, der viel Wasser führte. Wir hielten uns an einem Ast fest und überquerten den Fluss. Bis heute weiss ich nicht, wie wir das geschafft haben.

Wir versteckten uns in einem Kornfeld und assen die Körner von ein paar Ähren. Als es dunkel wurde, gingen wir zu einem nahegelegenen Dorf. Meine schwerverletzte Schwester Rachel war durstig und brauchte dringend etwas zu trinken. Aus einer Pfütze konnte ich mit meinen kleinen Händen etwas Wasser schöpfen und ihr geben.

Dann kamen wir zum Haus einer Frau. Wir sagten ihr nicht, dass wir jüdische Mädchen waren, sondern erzählten, wir hätten eine entlaufene Kuh gesucht, als man plötzlich auf uns schoss. Die Frau nahm etwas Watte, tränkte sie mit Jod und behandelte Rachels Wunden. Danach gab sie uns ein Stück Brot und erlaubte uns, in ihrer Scheune zu übernachten. Ich schlief schnell ein, aber meine Schwester konnte wegen ihrer schmerzenden Wunden nicht schlafen. Früh am anderen Morgen schickte uns die Frau fort. Sie hatte Angst, dass die Deutschen auch auf sie schiessen könnten.

Unser Onkel hatte uns gesagt, dass wir zu einem bestimmten Baum mit drei Ästen kommen sollten, wenn wir getrennt würden. Dort sollten wir ein Zeichen hinterlassen, sodass die anderen wüssten, dass wir noch am Leben sind. Ich hatte das bereits vergessen, aber Rachel wusste es noch, und so begaben wir uns zu diesem Baum. Dort fanden wir den Fussabdruck unserer 16-jährigen Schwester, die mit einem Cousin in eine andere Richtung geflohen war. Am Abend konnten wir sie treffen. Unsere Schwester, unser Onkel und zwei seiner Söhne waren noch am Leben. Ich war so froh, sie zu sehen! Aber die Frau meines Onkels, seine Tochter und zwei weitere Söhne waren getötet worden. Insgesamt wurden zwölf Mitglieder meiner Familie ermordet. 1988 besuchte ich den Ort zusammen mit meiner Tochter, und wir errichteten einen Gedenkstein für sie.

Meine Schwester brachte mir das Schreiben bei. Mit einem Zweig schrieb sie auf der Erde. Zusammen mit unserem Onkel lebten wir zweiundzwanzig Monate in den Wäldern.

In einem Haus im Wald lebte eine Christin. Sie hiess Milka. Rachel ging immer wieder zu ihr und bat sie um ein Stück Brot. Eines Tages bat sie um zwei Stücke Brot, auch eines für ihre kleine Schwester. Die Frau wollte das kleine Mädchen zuerst sehen, deshalb nahm Rachel mich mit. Milka kochte Milchsuppe mit Klösschen für mich, nahm mich in ihr Haus auf und sorgte für mich. Sechs oder acht Monate lebte ich bei ihrer Familie. Ihre drei Kinder, die älter waren als ich, nannten mich ihre „kleine Schwester“. Schliesslich war der Krieg aus.

Nach dem Krieg
1945 kam ich in ein Kinderheim im polnischen Lublin. Auch mein zukünftiger Ehemann war zu dieser Zeit dort. Danach war ich in einem Lager einer jüdischen Organisation in Deutschland. Es war in Fritzlar bei Kassel. In diesem Lager lernte ich Hebräisch. Eine Deutsche brachte uns auch Englisch bei. Im November 1948 konnte ich dann mit der Jugend-Alijah nach Israel gehen. Der israelische Unabhängigkeitskrieg tobte noch einige Zeit, aber Haifa war schon frei.

Meine Schwester heiratete in Deutschland. Sie und ihr Mann kamen mit ihrem Baby ebenfalls nach Israel. Zunächst blieb ich bei ihnen. Aber das war schwierig. Zudem war das Dach undicht, es regnete herein. Mein Schwager arbeitete bei einer Baufirma als Fahrer und verdiente nicht viel. Weil meine Schwester nicht genügend Geld hatte, auch noch für mich zu sorgen, beschloss ich, in Haifa in ein Kinderheim zu gehen. Später erlernte ich in Hadera den Beruf einer Krankenschwester. In Haifa habe ich dann 27 Jahre lang als Krankenschwester gearbeitet. Ich heiratete und bekam zwei Töchter und einen Sohn. Jetzt habe ich sechs Enkelkinder.

Mein Ehemann lebte lange Zeit in einem Ghetto, das sich in der heutigen Ukraine befand. Er war ein Einzelkind. In Israel hat er als Traktorfahrer in einem Kibbuz gearbeitet. Nach seinem Armeedienst verliess er den Kibbuz und arbeitete als Ingenieur der Wasserbehörde in ganz Israel. Deshalb war er oft von seiner Familie getrennt. Mein Sohn nannte ihn „Abba-ba“ (Papa kommt), wenn er von der Arbeit wieder einmal nach Hause kam.

Ich weiss nicht, warum ich überlebt habe. Mein Onkel sagte, ich lebe, um der Welt zu erzählen, was wir erlebt und erlitten haben.

Heute
Seit November 2010 lebt Esther im Haifa-Heim und fühlt sich wohl und geborgen. Ihr Mann wohnt in einem Apartment fünf Kilometer vom Heim entfernt und besucht Ester oft. Er mag es sehr, den Sportverein nahe seiner Wohnung zu besuchen. Esther musste sich einer Augenoperation unterziehen, die nicht erfolgreich war. Sie ist fast blind und krank.

Quelle: Internationale Christliche Botschaft Jerusalem


Mordechai Lieber
Pastor Najeeb und Elizabeth Atteih
Geboren: 1931
Geburtsland: Ukraine

Während des Krieges
Der neunjährige Mordechai lebte in dem Dorf Lutsk in der Ukraine und war daran gewöhnt, mit seinen vier Geschwistern und den Nachbarskindern zu spielen.

Niemand störte sie, und das Leben war angenehm, genau wie auch für andere Kinder in Mordechais Alter. Doch im Jahr 1941 änderte sich plötzlich alles! Der Zweite Weltkrieg brach aus. Mordechais Familie konnte aber nicht aus dem Dorf fliehen, denn die Nazis hatten alle Strassen in der Umgebung gesprengt. Mordechai wurde mit seiner Familie in ein Ghetto eingesperrt. Fast jeder dort hatte Typhus und lebte in Todesangst.

Es gab kein Wasser und nichts zu essen. Die Hygienesituation war unvorstellbar schlecht. In regelmässigen Abständen wurden Männer, Frauen und Kinder aus dem Ghetto abgeführt und erschossen. Jeder erkannte, dass es der Plan der Nazis war, das jüdische Volk auszulöschen und dass überall der Tod lauerte.

Mordechai schaffte es mehrmals, aus dem Ghetto zu fliehen, um für seine Familie etwas Essbares zu suchen, meistens etwas Brot oder Kartoffeln. Nach acht Monaten Ghetto konnte er mit seiner Familie entkommen. Sie hatten ein Lösegeld, das aus Familienschmuck bestand, an den sog. „Judenrat“ (das jüdische Verwaltungskomitee des Ghettos) gezahlt. Sie gingen zurück nach Trochenbrod, Mordechais Geburtsort, eine Stadt, die nicht mehr existierte. „`Mottel, versuch zu fliehen, du kannst es schaffen, und sag der Welt, was hier passiert.` Das waren die letzten Worte meiner Mutter, die mir das Leben retteten“, erinnert sich Mordechai unter Tränen.

Mordechai hat nie erfahren, was aus seiner Familie geworden ist. Er rannte fort und floh durch Wälder und Täler. Er lebte in der freien Natur, was im Winter besonders schwierig war. Von Zeit zu Zeit traf er auf Partisanen, er konnte sich ihnen jedoch nicht anschliessen, da er noch zu jung war. Eines Tages traf er auf Christen bei der Waldarbeit.

Er erzählte ihnen seine Geschichte, und sie gaben ihm etwas zu essen. Nur einige Meter entfernt befand sich ein Zwangsarbeitslager, wo jüdische Arbeiter interniert waren. Die Christen rieten Mordechai, auf einen Hügel neben dem Arbeitslager zu gehen und sich unter die Arbeiter zu mischen. Nachts nahmen sie ihn mit an ihren Ort. Doch Kinder durften nicht in diesem Arbeitslager bleiben. Mordechai fand schliesslich ein Versteck neben dem Arbeitslager gegenüber einem Pferdestall.

Dort traf er auf einen weiteren Jungen, der ebenfalls geflüchtet war. Dieser versicherte ihm, nur jüdische Arbeiter würden nach den Pferden sehen. So konnten sich die beiden Jungen dort drei Monate lang versteckt halten. Dann wurde das Lager aufgelöst und alle Arbeiter ermordet. Als sich ukrainische Soldaten dem Pferdestall näherten, versteckten sich die beiden Jungen schnell in verschiedenen Ecken der Scheune.

Die Soldaten entdeckten jedoch im Stroh Spuren von den Kindern und wussten nun, dass sich dort jemand versteckt hielt. Sie begannen das Stroh zu durchsuchen. Mordechai harrte mehrere Stunden lang regungslos in seinem Versteck aus, bis die Soldaten wieder abzogen. Der andere Junge stand unter Schock. Als er sich wieder beruhigen konnte, flohen sie. Bei einem späteren Versuch, den Nazis zu entkommen, verlor Mordechai seinen Kameraden. Er weiss nicht, was mit ihm geschehen ist.

Mit Hilfe eines ungarischen Christen kam Mordechai dann nach Tschechien. Bis heute erinnert er sich an die hilfsbereiten Tschechen und sagt, sie seien besondere Menschen. Er wurde von Bauern aufgenommen und lernte bei ihnen christliche Gebete, Sitten und Gebräuche und arbeitete auf den Feldern bis 1944.

Nach dem Krieg
Inzwischen konnte man wieder Menschen auf den Strassen sehen, und endlich konnten auch die überlebenden Juden aus ihren Verstecken hervorkommen. Der zwölfjährige Mordechai lebte dann weiter in einem Waisenheim, bis er 1948 nach Israel immigrierte. 1958 heiratete er Esther, die ihm drei Kinder schenkte. Heute haben sie sieben Enkelkinder. Mordechai war immer ein athletischer Junge und arbeitete später mehrere Jahre als Sportlehrer. Er kümmerte sich um den Lebensunterhalt seiner Familie, und zusammen mit Esther fühlte er sich wohl in Israel. Er sagt: „Es ist mir wichtig, gesund zu bleiben und für meine Frau da zu sein.“

Heute
Zusammen mit seiner Frau Esther lebt Mordechai im Haifa-Heim. Im Jahr 2014 konnte er seine Bar Mitzwa-Feier nachholen, gemeinsam mit vier weiteren Männern, auch Holocaustüberlebende, denen die Bar Mitzwa damals durch den Holocaust verwehrt wurde.

Quelle: Internationale Christliche Botschaft Jerusalem


Judit Rosenzweig
Pastor Najeeb und Elizabeth Atteih
Geboren: 1930
Geburtsland: Tschechien
Wohnhaft in Israel: seit 1948

Während des Krieges  
„Ich war neun Jahre alt, als die Deutschen 1939 in die Tschechoslowakei einmarschierten. Wir lebten als einzige jüdische Familie in einer christlichen Gegend. Ich hatte gerade das vierte Grundschuljahr beendet, als die Lage für uns immer schwieriger wurde. Jüdische Kinder wurden aus der Schule und anderen öffentlichen Institutionen entfernt.  Wir wurden gezwungen, den gelben Judenstern zu tragen, und uns wurde verboten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, auf dem Bürgersteig zu gehen oder öffentliche Parks zu betreten. Dann begannen sie, Juden aus ihren Wohnungen zu holen und sie in nicht-jüdische Familien zu bringen. Die Situation wurde immer schlimmer.

1941 begannen die Deutschen mit dem Abtransport der Juden nach Polen. Meine Tante und ihre Kinder befanden sich auf einem dieser Transporte und kamen nie wieder zurück. Sie waren unter den ersten, die von Bernau (Tschechien) abgeholt wurden. Meine Familie war noch bis März 1942 zu Hause, dann wurden wir nach Theresienstadt (Tschechien) transportiert. Dort wurden die Juden in grosse, überfüllte Baracken gepfercht. Wir durften die Baracken nicht verlassen, denn zu der Zeit war die Stadt noch bewohnt. Die ganze Stadtbevölkerung wurde dann aufgefordert, die Stadt zu verlassen, die dann in ein Ghetto umfunktioniert wurde. Ich war zu der Zeit häufig krank und hatte alle möglichen Krankheiten wie Scharlach, Tuberkulose, Typhus usw.

Im Jahr 1943, nachdem man alle Bewohner der Stadt hinausgebracht hatte, bereiteten sie einen separaten Ort für jüdische Kinder. Ich war in Zimmer 28 mit dreissig Mädchen meines Alters untergebracht. Wir schliefen in dreistöckigen Betten, und es gab fast keinen Platz für einen Schrank. Jedes Mal, wenn die Nazis einige Mädchen ausgesucht und nach Auschwitz verschleppt hatten, kamen an deren Stelle wieder neue Mädchen zu uns. Wir beschlossen, unsere Erinnerungen niederzuschreiben, die Situation und Erlebnisse von damals zu beschreiben, auch die Geschichten derer, die nicht wieder zurückkamen.

Unser Zustand in der Baracke war damals relativ gut. In Theresienstadt lebten viele beruflich qualifizierte Juden, die uns in verschiedenen Fächern unterrichten konnten. Aber es gab regelmässige Transporte nach Auschwitz, und im Oktober 1944 wurden schliesslich meine Eltern, meine Schwester und ich auch dorthin geschickt. Mein Bruder war schon früher abgeholt worden. Als wir dann in diesem Viehwaggon eingepfercht waren mit mindestens weiteren hundert Menschen, eingeschlossen in einem dunklen Verlies ohne Fenster, da wurde uns schnell klar, was uns bevorstehen würde. Es gab nichts zu essen, nichts zu trinken und keine Toilette. Wir konnten nicht sehen, wohin wir fuhren, und wussten nicht, wie lange die Fahrt dauern würde.

Plötzlich stoppte der Zug. Wir hörten lautes Befehlsgeschrei: „Alle aussteigen! Alle mitgebrachten Sachen im Zug lassen!“ Es gab keine Treppenstufen zum Aussteigen, was für die älteren Menschen besonders schwierig war. Männer und Frauen wurden von Dr. Mengele getrennt. Meine Mutter, meine Schwester und ich wurden in eine Baracke gebracht, wo wir alle Kleider ausziehen und jeglichen Schmuck ablegen mussten. Ich trug damals immer einen kleinen goldenen Anhänger mit einer Abbildung von Moses und den Zehn Geboten, den ich nie ablegte. Darum dachte ich hier nicht daran, aber ein Soldat riss ihn mir einfach vom Hals weg. Sie schnitten uns die Haare ab. Wir mussten eine Dusche nehmen, erhielten aber kein Tuch zum Abtrocknen. Dies geschah im Oktober, als es schon sehr kalt war. Dann mussten wir alte Kleider anziehen, die auch nicht passten.

Wir wurden zur Arbeit eingeteilt. Meine Schwester und ich durften zusammenbleiben, doch unsere Mutter nahmen sie mit. Ich weinte – und meine Mutter kam zurück! Sie hatte dem Wachsoldaten gesagt, dass er einen Fehler mache und sie sehr wohl arbeiten könne. Sie war damals 42 Jahre alt.

Sie schickten uns nach Gutsbach, wo wir für die Panzer Gräben ausheben mussten. Zu der Zeit im Dezember war der Boden gefroren, und wir mussten tief graben. Dann brachten sie uns in den Wald, wo wir Bäume holen mussten. Soweit ich weiss, haben sie, was wir schufteten, gar nie genutzt.

Einmal, als wir Schüsse hörten in unserem Gebiet, dachten wir, der Krieg wäre zu Ende. Eines Tages wurden wir auf einen tagelangen Marsch geschickt. Wir trugen nur unsere Lumpen und Schuhe, die nicht passten, zudem hatten wir nichts zu essen. Nachts steckten sie uns in Viehställe oder brachten uns an andere schreckliche Orte. Wir waren glücklich, wenn wir etwas Tierfutter finden konnten. Wir versuchten, es zu essen, oder manchmal fanden wir auch Kartoffelschalen. Ich war inzwischen vierzehn Jahre alt und die jüngste. Frauen, die nicht mehr laufen konnten, wurden sofort erschossen. Mehrere Male war ich so erschöpft und wollte mich hinsetzen, aber Mutter und Schwester hinderten mich daran und halfen mir durchzuhalten und weiter zu laufen. Schliesslich landeten wir im KZ- und Arbeitslager Gross-Rosen.

Dort erhielten wir ein wenig zu essen und nach zehn Tagen andere Kleidung. Dann brachten sie uns mit dem Zug in ein anderes Konzentrationslager, nach Bergen-Belsen. Man kann sich nicht vorstellen, wie wenig wir zu essen bekamen. Die Menschen verhungerten regelrecht. Doch meine Mutter, meine Schwester und ich waren immer noch zusammen.

Wir schliefen zusammen in einem Bett, das 70 cm breit war. Morgens erhielten wir etwas Brot und lauwarmes Wasser, das sie „Kaffee“ nannten. Mittags gabs ein bisschen Suppe mit einigen Rübenstückchen darin und abends ein weiteres Stückchen Brot. Jeden Abend mussten wir zum Appell erscheinen. Manchmal brach ich vor Schwäche fast zusammen und musste von Mutter und Schwester gestützt werden. Wenn jemand krank wurde, brachten sie die Person in eine Art „Krankenhaus“, doch von dort kam niemand wieder zurück.

Als die Deutschen wussten, dass der Krieg verloren war, gaben sie den Leuten Brot, doch jeder im Camp, der davon ass, starb daran, denn das Brot war vergiftet.
Im April 1945 wurden wir durch englische Soldaten befreit. Wer krank war, sollte sich bei den Engländern melden. Meine Mutter war sehr krank und auch meiner Schwester ging es nicht gut, aber sie meldeten sich nicht, denn sie wollten, dass wir als Familie zusammenbleiben. Bis heute erinnere ich mich daran, und ich verstehe nicht, warum meine Mutter es nicht gesagt hatte, dass sie krank war, denn eine Woche später starb sie.

Nach dem Krieg
Als wir noch als Familie alle zusammen waren, sagte uns der Vater, wenn wir den Krieg überleben würden, dann sollten wir wieder nach Hause kommen. Meine Schwester und ich kamen dann Ende August 1945 tatsächlich nach Hause. Auch mein Bruder überlebte den Krieg, doch mein Vater kam nie zurück. Ich war damals fünfzehn Jahre alt und sagte zu meinen Geschwistern, ich wolle nicht an einem Ort leben, wo ich nicht erwünscht sei. Ich wollte nach Israel gehen.

Zwei Jahre blieb ich noch, um Krankenschwester zu lernen, dann verliess ich das Land. Im Januar 1948 überquerte ich die tschechische Grenze Richtung Deutschland. Von dort schickte mich die Jewish Agency nach Marseille, wo ich wieder ein paar Monate warten musste, bis ich endlich mit einem Schiff nach Israel ausreisen konnte. Kurz nach der Staatsgründung, am 15. Mai 1948, kam ich in Israel an, die Nation war gerade einen Tag alt. Dieses Schiff war eines der drei ersten Schiffe, die in dem neugeborenen Staat Israel anlegten. Doch als wir in Tel Aviv ankamen, begann gerade der Unabhängigkeitskrieg. Die arabischen Nachbarstaaten hatten Israel den Krieg erklärt, und wir wurden von ägyptischen Flugzeugen bombardiert. Viele von uns hatten plötzlich regelrechte „Flashbacks“, traumatische Erinnerungsrückschläge des gerade zu Ende gegangenen Krieges in Europa, den wir nur knapp überlebt hatten.

Meinen späteren Ehemann lernte ich in einem Kibbuz kennen. Auch er war ein Überlebender des Holocausts. Wir bekamen drei Kinder. 35 Jahre lang war ich als Hebamme tätig, und immer noch mag ich Babys besonders.“

Heute
Vor einigen Jahren verlor Judit ihren Ehemann. Eine Tochter lebt in den USA. Judit reist in Israel herum und erzählt ihre Geschichte vor vielen Gruppen, denn der Holocaust darf niemals vergessen werden. (Auch unsere Gruppe von Kurt Wenger/Rea Israel hat sie schon besucht und in fliessendem Deutsch von ihren Erlebnissen erzählt.) Im Mai 2015 kam Judit sogar zum grossen ICEJ-Gott-sei-Dank-Tag, anlässlich 70 Jahre Kriegsende, nach Stuttgart, um dort ihre Geschichte zu erzählen. Obwohl sie noch immer recht aktiv ist, kann sie inzwischen nicht mehr so gut sehen. Judit ist sehr dankbar, im Haifa-Heim wohnen zu können, wo sie gute Fürsorge erhält und Gemeinschaft mit anderen Überlebenden pflegen kann.

Anmerkung: Die Geschichte von Judit Rosenzweig-Schwarzbart ist auch im Buch „Die Mädchen von Zimmer 28 – Freundschaft, Hoffnung und Überleben in Theresienstadt“ von Hannelore Brenner-Wonschick aufgezeichnet. Das Buch ist für 16,95€ erhältlich exklusiv bei: www.ICEJ-Shop.de

Quelle: Internationale Christliche Botschaft Jerusalem



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